Wie sinnvoll sind Nahrungsergänzungsmittel?

Wie sinnvoll sind Nahrungsergänzungsmittel?

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Mancher, der überzeugt davon ist, dass er sich täglich gesund ernährt, stellt die Existenzberechtigung von Nahrungsergänzungsmitteln in Frage, ist überzeugt: Sie sind unnötig. Doch es kann sein, dass derjenigen sich in Wahrheit nicht gesund ernährt. Er kauft im Supermarkt Obst und Gemüse. Doch es ist nicht viel wert, weil es keine wertvollen, lebenswichtigen Stoffe mehr enthält. Das passiert gar nicht so selten.

Viele wertvolle Vitalstoffe gehen bei der Nahrungsherstellung verloren

Allein durch moderne landwirtschaftliche Anbau-Methoden werden viele Mineralstoffe und Spurenelemente gebunden und können nicht über die Pflanzen an den Menschen weitergegeben werden.

Ein Hauptproblem unserer Zeit: Viele Früchte werden viel zu früh - also unreif - geerntet, können daher kaum Bioaktivstoffe entwickeln, aber auch keine anderen wichtigen Substanzen. Gemüse und Obst werden oft tagelang in Europa hin und her gefahren, ehe sie gekauft und verzehrt werden können. Das ist verhängnisvoll, wenn man bedenkt, daß zum Beispiel Erdbeeren 5 Stunden nach dem Pflücken massiv ihre Vitalstoffe abbauen, dass aufgeschnittene Tomaten pro Stunde 50 Prozent des Farbstoffes Lycopin verlieren. Spinat verliert bei normaler Raum-Temperatur innerhalb von 3 Tagen 70 Prozent der Folsäure. Und beim Ausmahlen von weißem Mehl gehen bis zu 85 Prozent Magnesium, bis zu 77 Prozent Kalium und bis zu 80 Prozent Zink verloren. Gemüse, das aus dem Ausland kommt und bestrahlt wird, verliert bei dieser Prozedur viele Vitamine, zum Beispiel A, B 1 , C und E. Eine spanische Studie hat vor 2 Jahren ergeben, daß Brokkoli im Mikrowellenherd bis zu 80 Prozent seiner Wirkstoffe abbaut. Dazu kommt noch, daß Menschen, die krank sind, ärztlich therapiert werden und Antibiotika oder Cortison nehmen müssen, sehr oft einen Vitalstoff-Mangel aufweisen.

Viele fragen mit Recht: Warum herrscht so eine geteilte Meinung über Nahrungsergänzungen? Warum schwärmen die einen davon, warum verurteilen andere wieder die Einnahme von Nahrungsergänzungen? Die Antwort ist ganz einfach: Weil es zu wenig gesichertes Wissen gibt. Viele Studien widersprechen einander. Viele Aussagen auf diesen Gebiet sind reine Glaubensbekenntnisse.

Die angesehene amerikanische Herzgesellschaft weist darauf hin, daß es keinen Sinn macht, wahllos und vorbeugend für Herz und Kreislauf Nahrungsergänzungen zuzuführen. Sie ergänzt aber, daß es unter ärztlicher Aufsicht dem Patienten helfen kann, wenn er Omega-3-Fettsäuren zuführt.

Die amerikanische Krebsgesellschaft warnt davor, zu versuchen, mit Vitaminen und Mineralstoffen einen Kampf gegen Krebs aufzunehmen. Es gibt keine Beweise für eine Wirksamkeit in diese Richtung. Das ist als eine Warnung zu verstehen, weil es immer wieder Schharlatane gibt, die solche Behauptungen aufstellen.

Die Weltgesundheitorganisation wieder betont in einem World Health Report aus 2002, daß bei einer Unterernährung von Kindern die Aufnahme von Nahrungsergänzungen gegen Mangelzustände in ärztlicher Hand Sinn machen kann.

Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln

Zum Schutz der Verbraucher ist die gesundheitsbezogene Werbung für Nahrunsergänzungen verboten. Das heißt: Niemals sollten in Eigenregie Nahrungsergänzungen ohne ärztliche Diagnose eingenommen werden. Die Selbstmedikation ohne ärztlichen Rat ist abzulehnen, schon allein, weil viele unvernünftig mit der Dosierung umgehen und denken, mehr wirkt mehr. So aber ist es nicht. Es sind daher auch alle Präparate abzulehnen, auf denen keine Mengenangaben der enthaltenen Wirkstoffe angegeben sind.

Wenn jemand allerdings seine Nahrungsergänzungen nicht auf einem dubiosen Weg bestellt und kauft, dann braucht er nicht in Sorge zu sein, ein gefährliches Präparat zu nehmen. Es kann zu keinen gesundheitlichen Schäden kommen, insofern man sich an die Dosierungsangaben hält. Wer auf Nummer Sicher gehen will, kauft in der Apoteheke, im Drogeriemarkt oder im Reformhaus. Die Präparate, die da verkauft werden, entsprechen den EU-Richtlinien.

Einzel-Substanzen oder Nährstoff-Mischungen?

In der Ernährungswissenschaft wird immer von einer augewogenen Ernährung gesprochen. Daher sollte auch die Nahrungsmittelergäzung ausgewogen sein, wenn es gilt, Präventiv-Maßnahmen zu setzen. Man sollte verschiedene Vitalstoffe in einem harmonischen Verhältnis aufeinander abgestimmt zuführen. Wie das ja auch bei der gesunden Ernährung geschieht. Diese Regel gilt nicht für einen Arzt, der an seinem Patienten einen Mangel entdeckt hat und diesen gezielt beheben muß.

Moderne Medizin und Nahrungsergänzungen

Die moderne Medizin setzt Nahungsergänzungsmittel vielfach selbst ein. Und das ist der Beweis dafür, dass sie nicht sinnlos sind. Dafür gibt es täglich praktische therapeutische Beispiele:

  • Eine schwangere Frau wird von ihrem Arzt mit einer speziellen Auswahl an Nährstoffen versorgt, damit es ihr und dem Kind gutgeht, weil die Frau in der Zeit der Schwangerschaft einen Mehrbedarf an Vitalstoffen hat, ganz besonders an Folsäure. Dieses Vitamin schützt die werdende Mutter vor Früh- und Fehl-Geburten.
  • Patienten mit einem zu hohem Homocystein-Spiegel werden monatelang mit Vitamin B 6, B 12 und Folsäure versorgt, und das Homocystein kann auf diese Weise - relativ einfach und vor allem nebenwirkungsfrei - gesenkt werden.
  • Depressive Menschen werden vielfach mit dem Spurenelement Lithium versorgt, weil es die positive Lebenseinstellung fördert.
  • Wer an Osteoporose leidet, bekommt Calcium mit Vitamin D, mitunter dazu noch einige Spurenelemente.
  • Bei Darmerkrankungen werden die Vitamine B 12 und Folsäure verabreicht.
  • In der Krebstherapie spielt das Spurenelement Selen eine wichtige Rolle. Auch in der Krebs-Nachsorge.
  • Bei Hauterrankungen wird oft die Einnahme von Zink empfohlen.
  • Strenge Vegetarier - Veganer genannt - müssen oft mit Eiweiß-Präpareten und B- Vitaminen - vor allem B 12 - versorgt werden, damit sie nicht mehr erschöpft und leistungsgebremst sind.
  • Chronisch Leberkranke erhalten fettlösliche Vitamine und Mineralstoffe.
  • In der Herzinfarkt-Nachsorge wird Magnesium verorndet.

Aus der Erkenntnis heraus, daß der Mangel an Nährstoffen Erkrankungen fördern und auslösen kann und daß man umgekehrt mit der Zufuhr von Nährstoffen den Mangel bekämpfen und gesundheitliche Störungen beheben oder zumindest lindern kann, haben sich Ärzte und Biochemiker zusammengetan und arbeiten an einer neuen Nährstoff-Medizin. Man verabreicht Nährstoffe anstelle von Medikamenten. Bei Rheuma wird das in jüngster Zeit sehr erfolgreich praktiziert.

Wie geht man verantwortungsvoll mit Nahrungsergänzungen um?

  • Man sollte die Kapseln, Dragees oder Tabletten immer nur mit Wasser einnehmen. Auf keinen Fall mit Fruchtsäften. Sie haben einen stark negativen Einfluß auf die Wirkung
  • Man muß genau die vorgegebenen Dosierungsmengen einhalten.
  • Nahrungsergänzungen muß man trocken lagern, am besten in der Hausapotheke.
  • Man sollte sie unmittelbar nach einer Mahlzeit einnehmen, damit sich die Wirkstoffe mit dem Speisebrei vermengen und dann vom Organismus rechtzeitig aufgenommen und verarbeitet werden können.