Wie lange darf mein Kind am Computer sitzen?

Wie lange darf mein Kind am Computer sitzen?

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Geht es Ihnen auch so wie Millionen anderen Eltern: Egal wann Sie in das Zimmer ihres Kindes kommen – es sitzt vor dem Computer und spielt. Oder ist im Internet unterwegs, oder chattet, oder stöbert Webseiten durch. Allein, Freunde hat es kaum noch – außer im Netz. Gemeinsame Spiele mit gleichaltrigen Kindern – Fehlanzeige. Ihr Kind ist dem Computer und dem Bildschirm verfallen. Seine Freunde heiße facebook, Instagram oder YouTube, die Eltern spielen kaum noch eine Rolle. So verbringt es seine Zeit: Spielend vor dem Bildschirm sitzen, da gehen täglich viele Stunden drauf in denen Ihr Kind weder an der frischen Luft ist noch einen Kontakt hat.

Es versinkt in der Anonymität vor dem Bildschirm, es entgleitet Ihnen. Denn viele Eltern können schon längst nicht mehr bei den modernen Kommunikationsmitteln mithalten. Als stellen sich viele Mütter und Väter die bange Frage: Wie kriege ich mein Kind vom Bildschirm weg, wie lange darf mein Kind eigentlich am Computer sitzen, ohne Schaden zu nehmen?

Studie ergibt 450 000 Kinder und Jugendliche sind spielsüchtig

Warum ist es eigentlich so schlimm, wenn Kinder und Jugendlich stundenlang vor dem Computer sitzen und irgendwelche Computerspiele über den Bildschirm flimmern? Darüber hat das Deutsche Zentrum für Suchtfragen zusammen mit der DAK jetzt eine Studie veröffentlicht (www.dak.de/dak/bundes-themen/computerspielsucht-2053894.html). Es wurden 1000 Kinder und Jugendliche zwischen 12 bis und 17 Jahren vom Forsa-Institut befragt. Danach gelten 15,4 Prozent der Kinder als „Risiko-Gamer“. Das bedeutet, das 450 000 aller Jugendlichen in dieser Altersgruppe ein riskantes und pathologisches Spielverhalten an den Tag legen - sie sind spielsüchtig. Viele der Betroffenen saßen täglich bis zu viereinhalb Stunden spielend vor dem Computer. Rund drei Prozent der Jugendlichen zeigten Anzeichen für ein bereits krankhaftes Spielverhalten. Dann werden acht bis zu 16 Stunden verdaddelt. Diese Zahlen sind erschreckend, denn die vielen vor dem Bildschirm verbrachten Stunden fehlen ja im Tageslauf für andere kinder- und jugendlichengerechte Betätigungen wie Sport, Hobbys, spielen und lernen. Es gehen soziale Kontakte verloren, eine normale Entwicklung der Kinder wird gestört.

Zu diesem Thema hat das Internationale Zentralinstitut für Jugend- und Bildungsfernsehen eine Tabelle erstellt und gibt folgende Empfehlungen über die Nutzung eines Computers durch Ihr Kind.

Alter: 4 bis 6 Jahre
Höchstens eine halbe Stunde pro Tag. In diesem Alter sollte Ihr Kind weder chatten noch ohne Aufsicht spielen. Es darf noch nicht im Internet surfen und der PC darf nicht in seinem Zimmer stehen.

Alter: 7 bis 10 Jahre
Es ist höchstens eine dreiviertel Stunde pro Tag erlaubt. Chatten ist ab achte Jahre erlaubt, aber nur unter Kontrolle und auf für Kinder geeigneten Angeboten. Auch allein spielen darf das Kind noch nicht. Surfen im Internet ja – aber auch nur unter Kontrolle. Ein PC im eigenen Zimmer ist noch nicht erlaubt.

Alter: 11 bis 1 3 Jahre
Eine Stunde am Tag ist ok. Chatten nur nach vereinbarten Regeln. Ihr Kind darf ab 12 allein spielen, aber es gelten feste Regeln, welche Spiele erlaubt sind. Ab 12 Jahren ist ein PC im eigenen Zimmere erlaubt – aber nachts ist er tabu. Im Internet darf ab 12 auch alleine gesurft werden.

Alter: Ab 14 Jahre
Höchstens anderthalb Stunden am Tag sind erlaubt. Chatten ist nach Regeln erlaubt. Allein spielen ja, PC im eigenen Zimmer auch ok, ebenso das Surfen im Internet.

Diese Regeln werden jedoch fast nie eingehalten, welche Eltern können schon ihre Kinder täglich oder sogar stündlich unter Kontrolle halten. Das ist in keiner Familie möglich. Außerdem: Wenn Ihre Kinder lange Zeit vor dem Computer verbringen, dann geht diese Zeit für viele andere Dinge verloren. Zum Beispiel für das Zusammenleben von Eltern und KIndern in der Familie.

Immer wieder tauchen die Frage auf: Wie schädlich ist die Computersucht für meine Kinder?

Auch mit diesen Fragen müssen wir uns beschäftigen. Denn jede Stunde, die Ihr Kind vor dem Computer sitzt, fehlt Spielen, Bewegung und Sport. Zumal die Kinder dabei sehr oft Sitzpositionen einnehmen die Gift für die Wirbelsäule und das gesamte Bewegungssystem sind. Denn vor dem PC sitzt fast jeder Mensch falsch. Generell ist zu langes Sitzen eine große Belastung für den Körper. Kinder neigen dazu eine Körperhaltung einzunehmen, die momentan gut ist wenn sie hoch konzentriert auf den Bildschirm starren, aber langfristig absolut schädlich ist. Wenn Ihr Kind lange Zeit vor dem Computer hockt, dann jagen Sie es gnadenlos alle Stunde für etwa zehn Minuten hoch. Da muss es etwas holen, etwas erledigen – auf jeden Fall muss es sich bewegen. Das führt zu Konflikten – aber da müssen die Eltern durch.

Zu viel Computer schadet den Augen

Sie haben Computer, Tablets, Smartphone und das Fernsehen: Unsere Kinder starren jeden Tag für viele Stunden in einen Bildschirm. Das geht auf die Augen. Experten sprechen vom „digitalen Sehstress.“ Wer konzentriert auf Laptop, PC oder den Handybildschirm starrt, der senkt die Frequenz seines Lidschlags. Die Folge davon: Der Tränenfilm wird nicht mehr ausreichend und gleichmäßig auf dem Auge verteilt, er kann dann aufreißen. Das Auge wird trocken und durch die Reibung gereizt. Die Bildschirme strahlen vorwiegend so genanntes „blaues Licht“ aus. Das kann starke Schäden an der Netzhaut und den Sehzellen hervorrufen. Verhindern Sie auf jeden Fall, das Ihr Kind im Halbdunkel oder gar bei gelöschter Zimmerbeleuchtung in den hellen Bildschirm starrt. Denn dann ist das Blaulicht besonders stark. Informieren Sie sich über diese Probleme und Fragen, denn Sie tun Ihren Kindern keinen Gefallen, wenn diese unbegleitete alle Medien nutzen können. Sie müssen Ihnen die Tipps weitergeben, wie sie mit Ihrem Rechner umgehen sollten – denn in der Schule wird das nicht gelehrt.

Was Sie sonst noch machen müssen

Sprechen Sie das Thema ruhig in der Schule Ihrer Kinder an, denn in der Familie werden Verbote nicht so wirksam von den Kindern angenommen. Dort aber kann man auf Themen wie Datenschutz, Hausaufgaben (die bei Kindern mit dem Problem Computersucht kaum noch erledigt werden) und den richtigen Umgang mit den elektronischen Medien hinweisen. Es muss auch möglich sein, in der Familie ein klares „Stopp“ gegen das ewige Sitzen vor dem Rechner auszusprechen. Nur in einer engen Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule ist es möglich, die Erziehung zu einem normalen und gesunden Umgang mit den neuen Medien zu gestalten. Das sind Hausaufgaben, die Sie machen müssen und die Sie nicht allein der Schule überlassen können. Die Erziehung muss dahin gehen, das der Umgang mit den neuen Medien nicht wichtiger wird als die Hausaufgaben für die Schule zu erledigen. Ganz wichtig: Bringen Sie sich Kenntnisse über den geltenden Datenschutz bei, die Sie Ihrem Kind weitergeben. Denn wenn der nicht beachtet wird, dann können Sie ganz schnell große Probleme bekommen.