Rückenschmerzen: So sitzen Sie richtig

Rückenschmerzen: So sitzen Sie richtig

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Vielleicht können Sie sich an eine Aufforderung erinnern, die Sie in Ihrer Kindheit oft gehört haben: " Sitz gerade! Sitz aufrecht!" Alle waren damals überzeugt: Das ist wichtig für eine gute Figur, für eine gesunde Wirbelsäule. Und genau das ist ein schwerer Irrtum. Heute wissen Sportmediziner und Orthopäden: Es ist für Kinder und für Erwachsene ganz schlecht, wenn man lange Zeit immer in derselben geraden Körperhaltung dasitzt.

Pfarrer Kneipp: Man soll dynamisch sitzen

Pfarrer Kneipp war seiner Zeit weit voraus. Er hat gesagt: "Es gibt keine ideale Sitzposition." Man sollte dynamisch sitzen: einmal aufrecht, dann wieder lümmeln, zurücklehnen, vorbeugen, zusammensacken. Dann wieder durchstrecken. Merken Sie sich: eine starre Haltung mögen die Bandscheiben gar nicht.

Dasselbe gilt für sogenannte ergonomische Sitzmöbel. Sie tun dem Rücken bei permanentem Gebrauch gar nicht so gut, wie viele denken. Wer immer nur in einem Gesundheits-Stuhl sitzt, muss wissen: Das Sitzmöbel passt sich dem Rücken an. Dieser bleibt beim Sitzen total passiv. Und das ist das Problem. Der Rücken muss auch beim Sitzen aktiv sein. Deshalb ist es zeitweise besser, auf einem einfachen Holzstuhl zu sitzen oder auf einer derben, einfachen Biergarten-Bank, die keine Lehne hat.

Ein Problem können auch die Sitzbälle sein. Zum Training in einem Kurzentrum: wunderbar. Wer damit am Schreibtisch sitzen und arbeiten möchte, sollte das auf dem Gymnastikball nicht länger als 20 Minuten tun. Wenn das länger dauert, dann ist das für den Rücken sehr anstrengend. Das kann zu Verspannungen führen.

Bewegung gegen Rückenschmerzen

Es ist falsch, wenn man sich der Meinung vieler Mitmenschen anschließt: Das viele Sitzen in unserer heutigen Zeit verursacht Rückenschmerzen. So darf man das nicht sehen. Zugegeben: Wir sitzen am Tag oft bis zu 11 Stunden. Weniger wäre besser. Natürlich. Das Problem ist aber: Wenn wir nicht sitzen, sollten wir uns bewegen, Gymnastik treiben, Spazierengehen. Nicht das Sitzen, die Bewegungsarmut zwischendurch ist das Problem unserer Zeit.

Daher sollten wir für einen gesunden Rücken öfter das Auto stehen lassen, die Rolltreppe und den Lift meiden. 2 Stationen früher aus dem Bus aussteigen und zu Fuße gehen.  Aber auch am Arbeitsplatz gibt es Bewegungs-Tricks. Gehen Sie beim Telefonieren umher, gehen Sie selbst zum Drucker und zum Fax-Gerät. Machen Sie in der Mittagspause einen Spaziergang.

Beim Sitzen die Position wechseln

Pfarrer Kneipp hat einmal gesagt: Nicht weil unser Rücken überfordert ist, tut er weh, sondern weil er unterfordert ist. Das muss man wie bei den Muskeln und wie beim Gehirn sehen: Was nicht benutzt wird, verkümmert. Wer den Rücken nicht belastet, begeht einen Riesenfehler. Damit werden die Tiefenmuskeln geschwächt. Die Bandscheiben werden mangelhaft ernährt. Die Stabilität geht verloren. Wirbelknochen werden porös. Das Risiko für Arthrose wächst.

Und genau deshalb sollten wir sitzen, wie es uns gerade einfällt und wie wir uns wohlfühlen. Einmal aufrecht, dann seitlich aufgestützt auf den rechten, dann auf den linken Ellenbogen. Dann wieder etwas zusammengesunken. Vorbeugen und Zurücklehnen sollten sich abwechseln.

Zu viel Druck auf die Wirbelsäule

Setzen Sie sich einmal diszipliniert auf den Stuhl, dann wieder schlampig. Lümmeln Sie nach Herzenslust. Bewegen Sie sich beim Sitzen oft und natürlich. Merken Sie sich: Stillsitzen in einer aufrechten Körperhaltung bringt zuviel Druck auf die Wirbelsäule und auf die Bandscheiben. Dynamisches Sitzen ist angesagt. Am besten wäre, wenn wir alle 15 Minuten beim Sitzen die Position verändern würden. Damit verhindert man, dass der Stützapparat überbeansprucht wird. Sehr sinnvoll ist es auch, sich während des Sitzens zu dehnen und zu strecken.