PSP: Die Krankheit, die Ihr Gehirn zerstört

PSP: Die Krankheit, die Ihr Gehirn zerstört

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Malaria, Krebserkrankungen, Kreislaufprobleme, Arteriosklerose - das alles ist heute für die Ärzte schnell erkennbar, und kann in den meisten Fällen auch mit Erfolg behandelt werden. Aber haben Sie schon einmal von "Progressive Supranukleäre Blickparese" (PSP) gehört? Nein. Nun - die meisten Ärzte auch nicht. Diese Gehirnerkrankung lähmt die Augen, zerstört Nervenzellen und lässt Patienten taumeln wie im Vollrausch. In den meisten Fällen wird sie nicht erkannt und mit Parkinson verwechsel.

 

Manchmal stösst die Medizin an ihre Grenzen, Betroffene und ihre Angehörigen müssen ihr Schicksal hinnehmen und können nur versuchen, das Leiden erträglicher zu machen. Deshalb möchte ich mich dieser Krankheit annehmen.

Was geschieht, wenn ein Mensch an PSP erkrankt?

Die Augen werden von einer Lähmung ergriffen, gesteuerte Augenbewegungen werden nach und nach unmöglich. Normales Gehen wird immer schwerer, der Kranke schwankt, stolpert und stürzt immer öfter. Meistens nach hinten. „Im Anfangsstadium wird die Erkrankung häufig mit einem Morbus Parkinson verwechselt, da die Symptome sehr ähnlich sind“, erklärt Dr. Stefan Lorenzi vom Münchner Klinikum Großhadern. Aber PSP verläuft viel schneller als Parkinson.

Bei Menschen mit PSP gehen Nervenzellen in wichtigen Gehirnarealen zugrunde. Die Koordination zwischen optischen Eindrücken - vom Auge vermittelt - und deren Umsetzung in körperliche Bewegung funktioniert nicht mehr: Patienten taumeln und torkeln wie im Vollrausch.

Aber nicht nur der Körper leidet, auch die Psyche der Erkrankten ist betroffen. Sie werden reizbar, klagen über Stimmungsschwankungen, bekommen Depressionen. In einem späteren Stadium fällt das Sprechen und Schlucken immer schwerer, die Muskulatur verspannt sich. Nach den Erfahrungen der Ärzte sind Betroffenen etwa zwei Jahre nach dem Beginn der Erkrankung auf einen Rollstuhl angewiesen. Ihre Lebensdauer liegt nach dem Ausbruch der Krankheit bei etwa fünf bis sieben Jahren. Die hat sich jedoch inzwischen dank Aufklärung und rechtzeitiger Behandlung verlängert.

Was wissen wir über die Ursachen?

Wenn man ehrlich ist: Wenig bis gar nichts. Die Forscher vermuten eine Wechselwirkung von Umwelteinflüssen und genetischen Veränderungen. Es gibt auch Theorien von einer Viruserkrankung, welche die Nervenzellen zerstört. Eine weitere Theorie geht dahin, dass Schadstoffe die Ursache sind, die jahrelang aus der Umwelt aufgenommen wurden. So ist zum Beispiel der Fall eines Patienten bekannt, der vor drei Jahrzehnten ständig mit einem sehr stark arsenhaltigen Spritzmittel für Nadelhölzer zu tun hatte.

Ist Hilfe möglich?

Bisher ist das Fortschreiten der Krankheit nicht aufzuhalten. Aber es gibt Medikamente, die Symptome lindern und den Verlauf verlangsamen. Kranke Menschen können also noch länger am "normalen" Leben teilnehmen, als bisher. Darin liegt aber auch eine Gefahr: In der Frühphase von PSP sprechen viele Patienten auf Medikamente gegen Parkinson an. Das lindert kurzfristig, hat aber fatale Folgen: Die Mittel wirken nicht so lange wie bei Parkinson, da bei PSP die Gehirnzellen absterben und die Medikamente nicht mehr aufnehmen können.

Ein großes Problem war bisher, daß sehr viele Ärzte diese Krankheit nicht erkannten. Wird sie aber rechtzeitig rannt, dann können die Ärzte den Patienten und deren Patienten Wege zeigen, wie sie mit der Krankheit umgehen können. Dazu gehört eine Kombination von medikamentöser Behandlung und einer Bewegungstherapie. Bewegung erhält die Mobilität, vermindert Steifheit und Schwund von Muskeln, stärkt die Gelenke und verbessert die Stimmung der Patienten.

Informationen

Von PSP sind nach Hochrechnungen etwa 12 000 Menschen betroffen. Von denen viel gar nicht wissen, dass sie erkrankt sind. Patienten und Angehörige haben sich deshalb in Selbsthilfegruppen organisiert. Wenn Sie sich für dieses Thema interessieren, selbst betroffen sind oder einen Angehörigen haben, dann können Sie sich informieren unter:

www.psp-gesellschaft.de

www.psp-information.de/forum

www.netdoktor.de