Partydrogen: Der tödliche Rausch

Sie werden getarnt als Badesalz, Lufterfrischer oder harmlose Kräutermischungen - und sind doch hochgefährliche Rauschdrogen: Die so genannten "legal Highs" sind im Internet oder im Laden um die Ecke zu kaufen. Sie heissen zum Beispiel "Lava Red", "Vanilla Sky" oder "Freedom". Sie werden bei Jugendlichen immer beliebter und sind lebensgefährlich. Was da unseren Kindern angedreht wird, wie es wirkt.

 

Laut einem Bericht der EU-Drogenbeobachtungsstelle (EBDD) und der Polizeibehörde Europol sind Modedrogen in Europa auf dem Vormarsch. Demnach registrierten die Behörden im vergangenen Jahr 41 neue Drogen - die höchste Zahl, die bislang gemeldet wurde. "Die Zahl der Fälle hat zugenommen, das bemerkt auch die Polizei", sagt Dr. Stephan Prückner, Oberarzt an der Klinik für Anästhesiologie in Großhadern, im Journal "Klinikum aktuell".

Da die Hersteller ihre Pülverchen als harmlose Räuchermischung oder Badesalz anbieten, umgehen sie das Betäubungsmittelgesetz. Über die genauen Inhaltsstoffe schweigen die Hersteller, oder aber die Analysen entsprechen nicht der Wahrheit. Tatsächlich enthalten diese Pülverchen meist synthetische Cannabinoide, die sehr oft viel stärker wirken als natürliches Cannabis (Haschisch). Wie die Jugendlichen darauf reagieren ist sehr unterschiedlich. Neben Schwindel und Bewusstseinsstörungen können auch schwere Nebenwirkungen bis hin zu Kreislaufzusammenbrüchen auftreten. Ohne schnelle Hilfe kann das dann sogar zum Tod führen. Dr. Bruckner: ""Die Jugendlichen haben keine Ahnung, was sie da wirklich kaufen, harmlos ist das Zeug jedenfalls nicht".

Neben massiven Wahnvorstellungen oder Panikattacken leiden die Badesalzopfer auch unter dramatischen körperlichen Wirkungen. Körpertemperatur, Herzschlag und Blutdruck steigen oft bis auf ein lebensgefährliches Maß, und auch starke Muskelkrämpfe sind keine Seltenheit. Um diese Symptome in den Griff zu bekommen, sind offenbar selbst starke Beruhigungsmittel zu schwach. In manchen Fällen hilft dann nur noch eine Vollnarkose, um die Patienten ruhig zu stellen.

Darüber hinaus ist über die Langzeitfolgen der Partydrogen wenig bekannt. Gerade für Jugendliche sind die Wirkungen von Lava Red & Co. gefährlich. Denn die Rauschmittel greifen massiv in den Gehirnstoffwechsel ein. "Wir wissen, dass Drogen das Risiko für Schizophrenien, Depressionen und Psychosen erhöhen, besonders wenn die Hirnentwicklung noch nicht abgeschlossen ist", erklärt Prückner.

Inzwischen sind einige dieser Modedrogen wie zum Beispiel "Spice" oder "Mephedron" verboten worden, aber das schert die Hersteller wenig. Sie verändern einfach einen Baustein in der chemischen Zusammensetzung der psychoaktiven Substanzen und kreieren damit eine neue Mischung. Unter anderem Namen richten "Lava Red", "Vanilla Sky" und ihre bunten Freunde dann weiteren Schaden an.

Sie sollten also darauf achten, wenn Ihre Kinder mit bunten Tütchen undefinierbaren Inhalts hantieren: Das kann harmlos sein - oder aber eine gefährliche Rauschdroge.