Organspende: Was Sie wissen müssen

Organspende: Was Sie wissen müssen

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Beim Thema Organspende geht es buchstäblich um Leben und Tod. Zehntausende unheilbar kranke Menschen warten auf ein neues Herz, Nieren, Leber, eine funktionierende Lunge - auf eine Organspende die ihnen zu einem neuen Leben verhilft, die sie vor dem sicheren Tod bewahrt. Sie alle brauchen dringend eine Organspende. Die kann es aber nur geben, wenn einem toten Menschen dieses Organ entnommen wurde, wenn es also gespendet wurde. Ein großes Thema, das uns alle bewegt.

Die Parteien reden darüber, die Kirche – eigentlich wir alle. Aber auch ein Thema, bei dem es wie kaum bei einem anderen sehr viele verschiedene Meinungen und vor allem auch sehr viele Irrtümer gibt. Deshalb ist es wichtig, wenn man diese Irrtümer zum Thema Organspende anspricht und darüber aufklärt. Das wollen wir in diesem Artikel versuchen. Denn in Deutschland werden dringend Spender gesucht: Menschen, die bereit sind nach ihrem Tod Organe an Patienten zu spenden, die sonst einen sicheren Tod erleiden müssten. Das ist eine große Entscheidung, bei der auch die Angehörigen einbezogen werden müssen.

Frage: Ich bin Spender, wird dann in Deutschland noch alles für mich getan, um mein Leben zu retten?

Sie haben einen lebensgefährlichen Unfall gehabt und haben einen Organspendeausweis – wird dann wirklich noch alles getan, um Ihr Leben zu retten? Da gilt ein eherner Grundsatz: Die Intensivmediziner haben mit einer Organentnahme oder gar einer Transplantation nichts zu tun. Die versuchen mit allen Mitteln Ihr Leben zu retten. Erst wenn der Tod durch komplettes irreversibles Hirnversagen festgestellt wurde (das ist der Hirntod) kann die Möglichkeit der Organentnahme genutzt werden. Der Hirntod muss von zwei Ärzten unabhängig voneinander festgestellt werden. Dann erst können Organe entnommen werden.

Frage: Wie sicher ist die Diagnose Hirntod?

Die Regeln für die Diagnose "Hirntod" wurden in Deutschland durch eine Expertenkommission der Bundesärztekammer festgelegt und 2015 verschärft. Hirntod ist ein Patient, wenn zwei Ärzte in einem zeitlichen Abstand von mehreren Stunden oder Tagen die Untersuchung wiederholen und bestätigen. Einer der untersuchenden Ärzte muss ein Neurologe oder Neurochirurg sein, also ein Facharzt für Gehirn und Nervensystem. Bei der Untersuchung wird geprüft, ob der potenzielle Organspender beispielsweise noch selbstständig atmen kann oder auf Schmerzreize reagiert. Wenn nach einer solchen Untersuchung die Entscheidung fällt: Der Patient ist hirntot, dann hat dieser keinerlei Bewusstsein mehr, er empfindet keine Schmerzen und er wacht definitiv nie wieder auf – denn alle seine Hirnfunktionen sind erloschen. Das wird dann den Angehörigen mitgeteilt.

Frage: Was ist, wenn mein Herz noch schlägt?

Wenn der Hirntod eingetreten ist, dann sind alle Funktionen Hirnstamm, Klein- und Großhirn für immer erloschen. Der Patient kann nicht mehr von alleine atmen. Ist er an eine Maschine angeschlossen, dann können der Kreislauf, die Atmung und weitere körperlichen Prozesse für eine Weile weiter funktionieren. Aber der Tatbestand bleibt bestehen: Das Wesen des Patienten, seine Erinnerungen und sein Bewusstsein sind mit dem Gehirn gestorben. Er kann nicht wieder aufwachen. Er hat keinen Kontakt mehr zur Welt der Lebenden.

Frage: Spüre ich Schmerzen, wenn mir Organe entnommen werden?

Nein, denn mit dem festgestellten Hirntod erlischt beim Organspender die Möglichkeit Schmerzen bewusst zu erleben, er spürt einfach nichts mehr. Hin und wieder kommt es vor, dass es bei der Entnahme der Organe zu einem Blutdruckanstieg oder Muskelzuckungen kommt. Das sind aber keine Lebenszeichen, sondern Reflexe aus dem vegetativen Nervensystem.

Frage: Wenn ich einen Organspendeausweis habe, können mir dann einfach alle Organe entnommen werden?

Auf dem in Deutschland gültigen Organspendeausweis können Sie genau bestimmen, welche Organe Sie spenden möchten. Sie können also eine Entnahme von Organen genau regeln. Auch brauchen Sie nicht zu befürchten, dass Ihr Körper nun ganz und gar zu wissenschaftlichen Zwecken benutzt wird. Wenn Sie dies wollen, dann müssen Sie Ihren Körper einer wissenschaftlichen Einrichtung zur Verfügung stellen.

Frage: Wie stehen die Kirchen zur Organspende?

Ob Sie eine Organspende machen möchten, ist einzig und alleine Ihre Entscheidung. Weder die katholische noch die evangelische Kirche stellt sich gegen eine Organspende. Von beiden Kirchen wird sie als ein Akt der Nächstenliebe gegenüber Kranken und Behinderten angesehen.

Frage: Können meine Angehörigen meine Spendenbereitschaft nach meinem Tod widerrufen?

Immer wieder kommt es vor, das Angehörige gegen die Organspende des Verstorbenen Einspruch erheben. Wenn das Einverständnis des Spenders schriftlich vorliegt, dann hat der Wille des Verstorbenen Vorrang, die Angehörigen können die Organentnahme nicht verhindern. Sie müssen aber über die Entnahme informiert werden.

Frage: Bin ich für eine Organspende gesund genug

Sie wollen einen Organspendeausweis, weil Sie sich als Spender ausweisen wollen. Dann aber taucht die Frage auf: Ist meine Entscheidung richtig, bin ich für eine Organspende gesund genug? Das entscheiden immer die Ärzte. Selbst wenn Sie einen Organspendeausweis haben wird erst nach dem festgestellten Hirntod entschieden, ob und welches Organ verwendet werden kann. Generell nicht infrage kommen nur Menschen, die akut an Krebs erkrankt sind oder bei denen eine Infektion mit HIV vorliegt. Auch das Alter spielt bei der Entscheidung kaum eine Rolle.

Frage: Wird durch eine Organspende mein Aussehen verändert?

Dazu müssen Sie wissen: In Deutschland wird bei einer Organspende mit der gleichen chirurgischen Sorgfalt vorgegangen wie bei jeder anderen Operation. Das heißt: Die Ärzte gehen mit großer Sorgfalt vor und vermeiden sichtbare Verletzungen des Körpers, wenn sie das Organ entnehmen. Nach der Organentnahme können dann in Deutschland die Angehörigen entscheiden wie der Leichnam aufgebahrt und bestattet werden soll.

Frage: Bin ich schon zu alt für eine Organspende?

Wenn sich Menschen zu einer Organspende entschließen, dann spielt das Alter keine Rolle, es gibt kein zu "alt" oder zu "jung". Entscheidend ist prinzipiell nur der Zustand Ihrer Organe, das wissen die Ärzte. Der Zustand der Organe hängt beim Menschen übrigens nicht nur von seinem Lebenswandel ab. Da spielen auch andere Umstände eine große Rolle.

Frage: Brauche ich den Organspendeausweis nur, wenn ich spenden will?

Wenn Sie sich zu einer Organspende entschlossen haben, dann sollten Sie die Ärzte wissen lassen, ob Sie bereit sind alle Organe zu spenden oder ob es Organe gibt, die Sie nicht spenden wollen. Diese Wünsche können Sie auf Ihrem Organspendeausweis eintragen lassen. Das ist sehr hilfreich, denn so ersparen Sie den Angehörigen die Entscheidung: Was darf als Organspende dem Toten entnommen werden.