Mittagsschlaf: So gesund ist die Siesta

Mittagsschlaf: So gesund ist die Siesta

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Das kurze Schläfchen zur Mittagszeit - eine Naturarznei. Was dabei im Körper vorgeht, warum gerade dieser kurze Schlaf gegen das Burn-out syndrom so wichtig ist, wie Sie Ihre Leistungsfähigkeit damit steigern können, warum japanische Firmen den kurzen Mittagsschlaf sogar im Arbeitsvertrag haben, warum 20 Minuten Mittagsschlaf eine optimale Kraftquelle sind - das erkläre ich Ihnen hier.

Für viele Urlauber ist es in Spanien, Italien, Griechenland, aber auch in den Ländern Nordafrikas ein vertrauter Anblick: Mittags, wenn die Hitze am größten ist, ziehen sich viele Einheimische zurück und halten Siesta - ein kleines Mittagschläfchen. Europäische Wissenschaftler wie etwa der österreichische Forscher Prof. Dr. Manfred Walzl empfehlen das auch für unseren Lebensraum. Untersuchungen haben ergeben: So ein kurzer Mittagschlaf kann eine wertvolle Naturarznei sein.

Bei Kindern ist das für uns alle fast selbstverständlich, dass sie mittags etwas schlafen, um neue Kräfte für die zweite Tageshälfte zu sammeln. Für viele Erwachsene wäre es ein Segen. In den USA gibt es dazu zahlreiche Studien. Große Firmen haben in den letzten Jahren Ruheräume für Mitarbeiter eingerichtet, damit sie ungestört einen Kurzschlaf absolvieren können. Man nennt das in den USA Power napping. Power heißt Energie, Kraft, napping heißt schlummern. Gemeint ist damit ein Schlaf, um neue Kräfte aufzubauen.

In China wird das ebenfalls daheim, aber auch in großen Firmen praktiziert. Da nennt man es Xiu-Xi. In Japan ist der kurze Mittagsschlaf in Elektronik-Konzernen, wo sehr konzentriert gearbeitet werden muss, als Pflicht den Mitarbeitern vorgeschrieben.

Im Jahr 2002 ließ man im Magistrat von Hillerod - einer dänischen Stadt nahe von Kopenhagen- eine Untersuchung durchführen. Das Ergebnis: Beamte, die einen kurzen Mittagschlaf halten, arbeiten nachmittags besser und mehr. Seither ist im Dienstvertrag der Angestellten ein Mittagschlaf von 20 Minuten erlaubt. Überall, wo man sich weltweit mit dem Mittagschlaf beschäftigt, wurde nachgewiesen: Wenn in einer Firma Mitarbeiter mittags ein Nickerchen machen, sind sie seltener krank.

Mittagsschlaf ist gesund

Welche Vorteile bringt nun ein Mittagschlaf für denjenigen, der ihn durchführt? Da haben Wissenschaftler und Mediziner klare Erkenntnisse gewonnen:

  • Der Mittagschlaf ist eine optimale Kraftquelle, die zu einer raschen Regneration von Körper, Geist und Seele führt.
  • Wichtig ist allerdings, dass dieser Schlaf nicht länger als 20 Minuten dauert, sonst ist der Betroffene danach wie gerädert und kann nachmittags keine guten Leistungen erbringen. Der Wert des Schlafes liegt eindeutig in der Kürze.
  • Ein kurzer Schlaf zu Mittag hilft, bereits tagsüber ein Tief zu überwinden, das im Grunde genommen jeden Menschen befällt und schwere Leistungseinbußen mit sich bringt. Zwischen 13 und 15 Uhr sinkt die Konzentration und Leistungsfähigkeit. In dieser Zeit können auch Probleme mit Herz und Kreislauf auftreten. In dieser Zeit ist auch die Gefahr für Verkehrs-Unfälle sehr groß.
  • Wenn nun jemand genau in der Zeit zwischen 13 und 15 Uhr einen kurzen Schlaf konsumiert, dann schafft er für den Nachmittag ein besseres Wohlbefinden und mehr geistige Fitness. Das haben Test mit Studenten in den USA gezeigt. Das hat man aber auch am Institut für Schlafmedizin der Landesnervenklinik Graz nachgewiesen. Wer mittags 20 Minuten schläft, ist meist abends in einer besseres geistigen Verfassung als er es am Morgen war.
  • Wer mittags schläft hat am Nachmittag eine um bis zu 27 Prozent bessere Leistungsfähigkeit wie jemand, der keinen Mittagsschlaf abhält.

In diesem Zusammenhang ergibt sich die Frage: Was geht im Organismus vor, wenn jemand ein kurzes Mittagsschläfchen hält? Der Körper hat die Chance, für kurze Zeit vorübergehend zurückzuschalten, aus dem Stress des Tages auszusteigen, so wie das umfangreicher in der Nacht passiert. Das Herz schlägt langsamer, die Atemfrequenz geht zurück, Körper-Temperatur und Blutdruck sinken. Der Energieverbrauch wird geringer. Es werden Hormone ausgeschüttet, die dann im Wachzustand stark gegen Streßbelastung machen. Außerdem wird die Sauerstoff-Versorgung des Körpers entscheidend verbessert.

Die nächste Frage, die sich aufdrängt, lautet: " Wie soll der Mittagsschlaf ausgeführt werden? Muss man dabei in einem Bett liegen? Oder genügt es, wenn man sich im Sitzen irgendwo hin zurückzieht? Dazu meint der Schlafforscher Prof. Dr.Walzl: " Es genügt, wenn man sich in einem bequemen Bürostuhl zurücklehnt und alles so arrangiert, dass man 20 Minuten ungestört ist. Man kann das lernen. Das schafft jeder, dass er sich so einen kurzen Mittagsschlaf gönnt. "

So praktiziert man gesunden Mittagsschlaf

Die 20 Minuten sind deshalb als Limit so wichtig, weil ein längerer Schlaf in ein zu tiefes Schlafstadium führen würde, das mehr müde als fit macht. Wie aber schafft man es, nach diesen 20 Minuten aufzuwachen? Da gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • Man lässt sich von jemand, dem man vertrauen kann, sanft wecken.
  • Man stellt das Mobil-Telefon auf Weckruf.
  • Oder aber man lehnt sich im Stuhl entspannt zurück und legt in die Handfläche der rechten Hand einen Schlüsselbund. Die Handfläche sollte nach Möglichkeit auf der Seitenlehne des Stuhl liegen. Wenn nun nach 20 Minuten das erste Schlafstadium erreicht ist, verfällt der Körper in totale Entspannung. Die Muskulatur der Hand lockert sich. Das Schlüsselbund fällt zu Boden, und man erwacht ausgeruht und voll Tatendrang. Probieren Sie es an einfach aus: Halten Sie einen kurzen Mittagschlaf. Sie werden wie neugeboren erwachen und voll Vitalität in die zweite Hälfte des Tages gehen. Wer kann nun von diesen Erkenntnissen profitieren?
  • Ältere Menschen, die nicht mehr so viel Energie haben und den ganzen Tag nicht leistungsstark bleiben können. Sie sollten sich einen täglichen Mittagschlaf angewoehnen. Wenn jemand im Alter über 60 noch einer geregelten Arbeit nachgeht, oder wenn Opa und Oma täglich auf die Enkelkinder aufpassen müssen, dann wird der Mittagsschlaf zum Lebenselixier. Amerikanische Forscher behaupten sogar, dass Menschen, die mittags schlafen, im Endeffekt länger leben.
  • Schüler, die müde vom Schul-Unterricht nach hause kommen, werden bessere Leistungen erbringen , wenn sie nicht müde und abgekämpft die Hausaufgaben machen müssen, sondern zuerst zu Mittag essen und dann ein kleines Schläfchen absolvieren.
  • All jene, die im Berufsleben hart arbeiten und volle Konzentration aufbringen müssen. Sie werden den Nachmittag mit gewohnt guten Leistungen meistern, wenn sie die Chance für einen kurzen Mittagschlaf haben.
  • Aber auch weibliche und männliche Singles, die im Beruf stehen, brauchen den Mittagschlaf. Sie wollen abends nicht müde und abgekämpft ins Bett fallen. Sie wollen noch ausgehen, Freunde treffen, neue Bekanntschaften machen.

Für so viele Menschen gilt daher der Slogan: MMMMM - Mittagsschlaf macht müde Menschen munter...