Masernimpfung im Faktencheck

Masernimpfung im Faktencheck

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Seit Jahren schwer umstritten – nun ist sie da: die Masernimpfung. Ab dem nächsten Jahr soll sie verpflichtend für den gesamten Medizinsektor, für die Bewohner von Flüchtlingsunterkünften und Asylbewerberheimen und auch für Ferienlager sowie für Kita-Kinder und für alle Menschen, die im Bildungssektor arbeiten gelten. Der Gesetzentwurf wurde bereits im Bundestag gebilligt. Dieses "Massenschutzgesetz" ist verpflichtend, bei Nichtbeachtung können Strafen drohen (bis zu 2 500 EUR). Kitas, Schulen und andere Einrichtungen müssen Impfsäumige an die örtlichen Gesundheitsämter melden. Ausnahmen gelten für Menschen, die einen ärztlichen Nachweis vorlegen können, dass bei ihnen eine Impfung aus gesundheitlichen Gründen nicht ratsam ist.

Bei Menschen, die vor 1970 geboren sind, entfällt die Impfpflicht ebenfalls. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie die Masern schon einmal hatten, ist bei ihnen sehr hoch. In den ersten Monaten 2019 wurden bereits über 400 Masernfälle gemeldet, Tendenz steigend. Seitdem ist der Streit um die Masernimpfung voll entbrannt, Impfbefürworter und Impfgegner liegen sich in den Haaren. Deshalb hier zum Thema "Masernimpfung ein Faktencheck: Sind die Impfungen in Deutschland nötig - oder ist das Impfen gegen die Masern überflüssig? Das Robert Koch-Institut (RKI), in Deutschland für Impfungen zuständig, weist darauf hin, das im Jahr 2017 nur rund 93 Prozent der Schulanfänger in Deutschland ausreichend gegen Masern geschützt waren – also die empfohlenen zwei Impfungen bekommen hatten. Eine Ablehnung beruht meist auf der Furcht vor Nebenwirkungen. Nach Schätzungen müssen in Deutschland rund 600 000 Menschen gegen Masern nachgeimpft werden hat das Bundesgesundheitsministerium ermittelt.

Check 1. Was kostet die Impfung?

Die Impfung selbst kostet etwa 90 EUR, die Bezahlung wird von den Kassen übernommen. Das ist nur recht und billig. Wenn zum Beispiel ein Patient mit Masern im Krankenhaus behandelt werden muss, dann kostet das im Durchschnitt 2 200, das war im Jahr 2017 immerhin bei 40 Prozent aller Erkrankten nötig. Die AOK musste zum Beispiel 2017 für die Behandlung eines Erkrankten mehr als 15 000 EUR bezahlen. Eine Impfung gegen die Krankheit rechnet sich also.

Check 2. Ist die Impfung gefährlich?

Immer wieder wird argumentiert: "Ich bin gegen die Impfung, weil sie gefährliche Nebenwirkungen haben kann bis hin zum Autismus.“ Das ist unbewiesen. Außerdem: Sie sind meist seltener und ungefährlicher als die Nebenwirkungen bei einer Erkrankung durch eine Maserninfektion. Diese möglichen Nebenwirkungen sind bekannt:

  • Es kann zu Rötungen, Schwellungen und Schmerzen an der Impfstelle kommen. Auch nahe gelegene Lymphknoten können anschwellen. Einige Tage nach der Impfung können Symptome wie Müdigkeit, leichtes Fieber und Unwohlsein kommen.
  • Vor allem bei Frauen kann es nach der Impfung zu Gelenkbeschwerden kommen.
  • Nach der Impfung kann ein Hautausschlag auftreten.
  • Auch eine "Impfkrankheit" wurde beobachtet die einer Mumps-, Röteln-, Windpocken- oder einer Masernerkrankung ähnelt.
  • Wenn sie gegen Masern geimpft wurden, dann brauchen Eltern den Kontakt zu Erkrankten nicht zu scheuen - Sie sind immun. Sie können also unbesorgt Ihr krankes Kind pflegen.

Check 3. Sind die Impfungen sicher?

Die im nächsten Jahr in Kraft tretende Impfpflicht betrifft vor allem Kinder. Nun gibt es ja schon viele Impfungen für Kinder. Das geht schon im Babyalter los. Da fragen sich viele besorgte Eltern: "Sind unsere Kinder durch die vielen Impfungen nicht doch gefährdet?„ Sie befürchten, das noch junge und untrainierte Immunsystem könne durch die vielen Impfungen in den ersten Lebensmonaten und -jahren überfordert werden. Man bedenke: Vor gerade einmal 100 Jahren wurden Kinder gerade mal gegen die Pocken geimpft, im Jahr 2019 war diese Zahl auf 14 gestiegen. Dennoch stellt dieser Faktencheck fest: Sie sind sicher. Die Immunisierung gegen Krankheiten geschieht durch die verabreichten der Antigene, die das Immunsystem stark machen. Wenn die Kinder früher gegen die Pocken geimpft wurden, dann enthielt der Impfstoff rund 200 Antigene. Heute kommen bei allen Impfungen zusammengerechnet etwa 150 Antigenen zusammen. Auch bei der Kombiimpfung Masern, Mumps und Röteln. Man kann also sagen: Impfen gegen die Masern ist sicher, Ihr Kind ist wesentlich weniger gefährdet, als wenn Sie es nicht impfen lassen. Deshalb ist der 2019 gefasste Entschluss der Einführung einer Impfpflicht für Kinder zu begrüßen. Auch das Auftreten von Autismus nach dem Impfen ist nicht nachweisbar.

Check 4: Ist die Impfung überhaupt nötig?

Masern sind eine durch Viren verursachte weltweit verbreitete hochansteckende akute Infektionskrankheit. Daran erkranken in Deutschland bis zu 100 000 Menschen. In Industrieländern führen Masern bei bis zu 20 Prozent der Erkrankten zu Komplikationen die mit einem erhöhten Sterberisiko einhergehen. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben jährlich eine Million Menschen an den Folgen einer Infektion mit Masern. In den Entwicklungsländern sind kaum Impfstoffe vorhanden, Masern sind eine der häufigsten Ursachen für eine Erblindung. Während einer Masernerkrankung treten durch die Erreger sehr häufig Komplikationen auf. Das trifft auf jeden 5. Patienten zu. Gefährlich ist die zeitweise Schwächung des Immunsystems. Dadurch kann es an den Atemwegen zu einer Lungenentzündung kommen. Noch gefährlicher ist die Masern-Enzephalitis. Bei dieser Gehirnhautentzündung bleiben bei 30 Prozent der Erkrankten bleibende Schäden zurück. Die Sterblichkeit bei dieser Erkrankung beträgt an die 25 Prozent – sie ist also sehr hoch. Nur durch Impfen lassen sich diese Gefahren abwenden.

Check 5: Die Symptome bei Masern

Vor allem Klein- und Schulkinder sind durch die Masern gefährdet. Weil da aber schon konsequent geimpft wird, wird die Krankheit in dieser Bevölkerungsschicht seltener, da das Immunsystem durch die Impfstoffe gestärkt wird. Weil aber die Erreger eine hohen Ansteckungskraft haben ist die Häufigkeit einer Ansteckung bei der nicht geimpften Bevölkerung hoch. Nach der Inkubationszeit von etwa zwei Wochen reagiert der Körper auf die Erreger mit diesen Symptomen: Trockener Husten, Fieber und Bauchschmerzen, sehr oft mit Erbrechen. Das ist ein Zeichen: Das Immunsystem muss kämpfen. Nach etwa fünf Tagen tauchen die typischen weißlichen Flecken auf der Wundschleimhaut auf. Es kommt zu einem zweiten Fieberanstieg, hinter den Ohren breitet sich ein dunkelroter, großflächiger, unregelmäßig begrenzter Hautausschlag aus. Der breitet zuerst über das Gesicht und den Hals aus, später über den ganzen Körper. Wenn das Fieber fällt, dann hat das Immunsystem gesiegt, die Rekonvaleszenz beginnt.

Check 6: Kann der Impfstoff die Masern ausrotten?

Mit der Entwicklung von immer mehr verbesserten Impfstoffen ist die Möglichkeit vorhanden, dass die Masern weltweit ausgerottet werden und der Virus verschwindet. Der Grund: Der Mensch ist sein einziger Wirt, wenn dieser durch den Impfstoff geschützt wird, dann hat der Virus keine Existenzgrundlage mehr. 2010 hat die Weltgesundheitsorganisation dieses Szenario als machbar bezeichnet. Bisher haben aber nur alle Länder in Nord- und Südamerika die dafür nötige Impfquote erreicht. 2019 kam Sri Lanka dazu. Deutschland hinkt hinterher: Nur 93 Prozent der Bevölkerung haben die dafür nötigen zwei Masernimpfungen. Das liegt nicht am fehlenden Impfstoff, sondern an den mangelnden Impfungen.

Check 7: Ist die zweite Masernimpfung nötig?

Die Erkrankung kann durch den Einsatz von Impfstoffen verhindert zumindest aber abgeschwächt werden, so dass keine Komplikationen mehr auftreten. Aber: Die ständige Impfkommission des Robert-Koch-Institutes geht erst bei zweimaliger Impfung vom Bestehen eines vollständigen Impfschutzes aus. Die Erstimpfung sollte beim Kleinkind zwischen elf bis 14 Monaten vorgenommen werden. Die empfohlene und wichtige Zweitimpfung kann schon vier Monate nach der Erstimpfung stattfinden. Die soll Kindern, die aus welchen Gründen auch immer bei der Erstimpfung keine Impfimmunität entwickelt haben, in einem zweiten Anlauf zum dauerhaften Impfschutz verhelfen. Es handelt sich also nicht um eine Auffrischungsimpfung, sondern um eine zweite Chance bei nicht ausreichender Immunantwort. Erwachsene, die nicht oder nur einmal geimpft wurden, sollten unbedingt nach Rücksprache mit Ihrem Hautarzt den Impfschutz in Anspruch nehmen.