Kräuter selber pflücken: Gefahr durch Würmer

Viele von uns kultivieren in ihrem Garten Heilkräuter und Gemüse. In den letzten Jahren ist es aber auch wieder modern geworden, dass man sich draußen in den Natur – wo es erlaubt ist - nach wilden Heilkräutern und nach Wildgemüse umschaut, etwas davon nach Hause nimmt und in den Speiseplan einbaut. Es gibt in vielen kleineren Ortschaften spezielle Führungen durch die Natur, damit interessierte Menschen wilde Pflanzen kennenlernen. Dabei wird aber nicht nur wertvolles Wissen über Kräuter und Wildgemüse vermittelt. Experten werden nicht müde, die Mitmenschen vor Gefahren zu warnen, die auf den Heilkräutern und auf dem Wildgemüse lauern.

Der Fuchsbandwurm ist hochgefährlich

Ein Beispiel, das vielen die gern in die Natur hinaus gehen, bekannt sein wird. Wenn im August die wilden Heidelbeeren reif sind, dann wandern Naturexperten hinaus an den Waldesrand und ernten die köstlichen Früchte. Man muss Sie aber nach dem Pflücken sofort nach Hause tragen und muss sie vor dem Essen  - herrlich mit Joghurt ! – gründlich waschen. Ungewaschen stellen die wunderbaren Früchte eine große Gefahr dar. Sie sind nämlich manchmal  mit den Eiern vom Fuchsbandwurm verseucht. Der Fuchsbandwurm lebt im Dünndarm von Füchsen, mitunter auch von wild streunenden Hunden und Katzen. Der Bandwurm produziert sogenannte Proglottiden, in denen sich Eier befinden, die dann mit der Losung ins Freie gelangen. Diese Eier sind hoch infektiös und extrem umweltresistent. Sie überleben das Einfrieren bis minus 20 Grad Celsius. Auch sämtliche Desinfektionsmittel greifen nicht. Nur Erhitzen über 60 Grad Celsius oder trockene Luft können können den Eiern schaden.
    
Wenn die Fuchsbandwurm- Eier in den menschlichen Körper gelangen, weil man im Freien Heidelbeeren genascht hat, entwickeln sich in der Leber Larven , die langsam wachsen. Die Inkubationszeit beträgt oft bis zu 20 Jahre.  Dann treten Symptome wie bei einer chronischen, bösartigen Leber-Erkrankung auf. Jedes Jahr sind in Mitteleuropa an die 100 Menschen davon betroffen. Das ist jedoch eine Dunkelziffer, da ja auf Grund der langen Inkubationszeit nicht alle Erkrankungen als solche erkannt werden. Das  ist aber nicht alles. Die Eier des Fuchsbandwurmes können auch eine Hirnhaut-Entzündung beim Menschen auslösen.
    
Eine weitere Gefahr in der Natur ist der Hundespulwurm, medizinisch als „ toxara canis“ benannt. Er lebt im Dünndarm von Füchsen und Hunden. Die weiblichen Würmer produzieren Eier, die mit dem Kot ins Freie gelangen. Nach drei bis vier Wochen sind die Eier infektiös. Werden Sie vom Menschen durch belastete Wildpflanzen aufgenommen, dann schlüpfen im Dünndarm des Menschen  Larven, die über den Blutkreislauf  in alle Organe des Menschen transportiert werden. Dort leben sie viele Jahre und leiten verschiedene Krankheiten ein.

Besonders die Leber ist gefährdet

Die nächste Parasiten-Gefahr sind die Metazerkarien des großen Leber-Egels. Er lebt in den Gallengängen von Rindern, Schafen, Rehen, Hirschen und Wildschweinen sowie vielen anderen Säugetieren. Der Egel produziert Eier, aus denen dann im Freien Larven schlüpfen, die in Schnecken eindringen und sich in dem Tier verändern und vermehren. Sie werden zu Zerkarien, verlassen die Schnecke und setzen sich auf Wasserpflanzen fest.  Auf diesen Pflanzen lauern sie  viele Monate und sind hoch infektiös. Besonders gern halten sich an Bärlauch- Blättern und Brunnenkresse-Blättern fest. Über diese Wildkräuter gelangen sie  als Metazerkarie in den Menschen.
    
Im Dünndarm des Menschen schlüpfen Larven. Diese durchbohren die Darmwand, dringen in die Leber ein, setzen sich in den Gallengängen fest, wachsen heran uns verursachen schwere Leber-Entzündungen und Leber-Vergrößerungen. Das alles beweist, dass auch der Umgang mit Wildgemüse, nutzbarem „Unkraut“ und mit  Heilkräutern nicht ganz ungefährlich ist.

Warnungen ernst nehmen

Man sollte die Warnungen vor solchen Parasiten wie dem großen Leberegel, dem Fuchsbandwurm und Hundespulwurm ernst nehmen, weil man sich damit schwere Krankheiten einhandeln kann. Diese Warnungen sind deshalb so wichtig, weil es heute bei vielen Menschen im Trend liegt, Gemüse und Kräuter aus der freien Natur ausfindig zu machen, zu ernten und in der Küche für extravagante, gesunde Speisen einzusetzen. Damit es tatsächlich gesunde Speisen sind, muss peinliche Hygiene beachten. Und vor allem: Man sollte sich abgewöhnen, draußen in der Natur beim Pflücken der Pflanzen und Früchte vorort davon zu probieren und zu essen. Und man sollte auch Kinder aufklären und über die möglichen Gefahren informieren. Es lauern Parasiten und wir müssen das Risiko für eine Folge-Erkrankung senken.

Die wichtigsten Schutz-Maßnahmen

  • Wenn Sie zu jenen Menschen gehören, die mit Begeisterung Pflanzen und Beeren in der Natur sammeln, dann meiden Sie die Nähe von Wasserläufen, Bächen und Sümpfen.
  • Waschen Sie nach dem Sammeln der Kräuter und Beeren  gründlich die Hände mit Seife und sehr warmem Wasser. Verzahnen Sie beim Waschen die Finger ineinander. Nehmen Sie beim Händewaschen die Ringe vom Finger und säubern Sie mit einer Bürste die Fingernägel.
  • Besonder gründlich  müssen Sie handeln, wenn Sie mit den Händen mit Tierlosung in Kontakt gekommen sind.
  • Das Waschen von Bärlauch- und Brunnenkresse-Blättern  oder anderen Wildpflanzen kann die Infektiösen Parasiten nicht entfernen. Man sollte daher die Pflanzen sammeln, nach Hause tragen , gründlich mit heißem Wasser waschen, am besten blanchieren.
  • Wer vorbildlich vorsichtig ist, sollte Wildgemüse und Wildkräuter nur in gekochten Zustand essen, auch dann, wenn man damit bloss ein anderes Gericht würzt. Und besonders vorsichtig sollte man sein, wenn Kinder mitessen. Kochen ist die einzige Möglichkeit, etwaige kontaminierte Pflanzen in infektiösen Gefahren zu befreien.
  • Für Hunde- und Katzen-Besitzer gilt: Die Tiere regelmäßig entwurmen und nach dem Streicheln gründlich die Hände waschen.
  • Auch wenn man aus dem eigenen Garten Beeren, Kräuter, Salat oder Gemüse erntet, sollte man alles gründlich waschen.
  • Bei Gartenarbeiten Handschuhe tragen und danach auch wieder die Hände gründlich waschen.

    
Meine persönliche Bitte an Sie: Denken Sie an die Gefahren, die in der Natur auf Kräutern und  Pflanzen lauern. Geniessen Sie die Früchte der Natur, aber gehen Sie verantwortungsvoll damit um.