Depression: Wahrheiten über diese Krankheit

Depressionen sich furchtbar: Sie sind eine sehr ernst zu nehmende psychische Krankheit. Mutlosigkeit, Verzweiflung, tiefe Traurigkeit - das sind Reaktionen auf konkrete Ereignisse und Probleme und irgendwann sind sie bewältigt und vorbei. Unbehandelte Depressionen hingegen vergehen nicht. Sie müssen behandelt werden, betroffen sind Millionen Menschen. Doch gerade um die Behandlung von Depressionen sind viele Irrtümern entstanden: Gerüchte, Mythen und Fehleinschätzungen, die man ausräumen muss.

 

Antidepressiva machen nicht süchtig
 
Wenn depressive Menschen hören, dass sie medizinisch und mit Medikamenten behandelt werden müssen, kommt sofort Angst auf: "Das sind Medikamente, die süchtig machen." Das ist ein grosser Irrtum.  Wer Antidepressivan nehmen muss braucht nicht zu befürchten, dass er immer mehr Medikamente in immer grösseren Dosen braucht, dass er davon abhängig wird und dass diese Medikamente ihn "high" machen. Diese Suchtgefahr besteht nur bei Schlaf- und Beruhigungsmitteln wie z. B. Valium in hohen Dosierungen.
 
Depression: Die Selbstmordrate sinkt
 
Das Krankheitsbild Depressionen ist so alt wie die Menschheit, es hat sie immer schon gegeben. In den letzten Jahren ist der Eindruck aufgekommen, dass die Zahl der Depressionen immer mehr zunimmt, dass immer mehr Menschen unter der krankhaften Schwermut leiden. Das ist falsch, und das lässt sich leicht erklären: Heutzutage werden Depressionen auch als Depressionen bezeichnet. Früher ordnete man sie anderen Krankheiten zu, sie verbargen sich unter Tinnitus, chronischen Schmerzen, Fibromyalgie (schwere und chronische Muskelschmerzen). Ausserdem erkennen Ärzte heute diese Schmerzen schneller als noch vor 30 oder 20 Jahren. Hinzu kommt, dass eine depressive Erkrankung nicht mehr als Tabu gilt, immer mehr Erkrankte nutzen professionelle Hilfe. Diese Erkenntnis wird dadurch gestützt, dass die Zahl der Selbstmorde zurückgeht.
 
Arbeitsstress löst keine Depressionen aus
 
Unsere Arbeitswelt hat sich sehr schnell sehr stark verändert: Die Belastung (nicht die körperliche) ist viel höher geworden, die Arbeit hat sich verdichtet, wird müssen mehr leisten. Vor allem verwischen die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit immer mehr: Feierabend heisst für viele Menschen noch lange nicht, dass die Arbeit vorüber ist. Also entsteht Arbeitsstress - und dem werden die Depressionen in die Schuhe geschoben. Das aber ist nicht bewiesen. Denn Berufstätige werden genau so oft oder so wenig depressiv wie andere Menschen.
 
Entspannung und Urlaub sind oft falsch bei Depressionen
 
Entspannen, Urlaub machen, viel Schlafen - das hilft gegen Depressionen, sagt man. Das stimmt nur sehr begrenzt, das sind unter Umständen sogar die völlig falschen Mittel bei Depressionen. Denn oft wird in einer fremden, lauten und fröhlichen Umgebung die Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung eines depressiven Menschen noch grösser. Auch Langes Schlafen kann die Depression verstärken. 
Gesichert weiss man, dass Schlafentzug bei etwa 60 Prozent der Betroffenen zu einer Besserung führt.  Die ist allerdings nicht von Dauer.
 
Depression macht Schmerzen oft unerträglich
 
Sehr oft hört man, dass körperliche - vor allem chronische - Problem Auslöser von Depressionen sind. Typisch dafür sind Kopf- oder Rückenschmerzen, ständige Ohrengeräusche oder das Gefühl eines zugeschnürten Halses. Das stimmt nicht, oft ist sogar das Gegenteil der Fall: Seelisch gesunde Menschen können diese Beschwerden aushalten, empfinden sie als Lästig und sie können damit umgehen. Depressive Menschen empfinden sie als unerträglich und als eine Verstärkung der seelischen Hoffnungslosigkeit. Oft ist es sogar so, dass nach einer erfolgreichen Therapie der Depression diese Gesundheitsprobleme wieder als durchaus erträglich empfunden werden. 
 
Depressionen sind oft genetisch bestimmt
 
Sehr oft werden Depressionen einem vorausgehenden schweren Schicksalsschlag zugeschrieben. Wie der Tod eines geliebten Menschen, eine Trennung, der Sturz in die Arbeitslosigkeit oder einer beruflichen Überforderung. Das stimmt nicht unbedingt, denn sehr oft lassen sich keine äusserlichen Ursache für eine Depression erkennen. Experten meinen, dass mehrere Faktoren bei der Erkrankung an einer Depression eine Rolle spielen: Psychosoziale Einflüsse, schockierende negative Erlebnisse aber auch eine genetische Veranlagung werden da genannt.
 
Keine Persönlichkeitsveränderung durch Antidepressiva
 
Menschen, die Antidepressiva nehmen,  leben oft in einer grossen Furcht: Dass sich ihre Persönlichkeit verändert. Der Grund für diese Angst: Antidepressiva wirken gezielt gegen gestörte Funktionsabläufe im Gehirn. Die Angst ist unbegründet, die Persönlichkeit bleibt. Nur die für Depressionen typischen Veränderungen im Erleben und Verhalten verschwinden. In der Regel berichten Betroffene nach der Behandlung, dass sie sich kettet wieder wie früher fühlen würden.
 
Depressive brauchen fremde Hilfe
 
"Mache kein Theater und reisse Dich zusammen," dieser Satz ist total falsch, wenn er an einen depressiven Menschen gerichtet wird. Bei einer echten Depression können Kranke weder mit Willenskraft noch mit Selbstdisziplin ihrem seelischen Tief entkommen. Ohne fremde Hilfe kommen Depressive nicht aus ihrer totalen Hoffnungslosigkeit heraus. Sie fühlen sich innerlich wie tot, wie erloschen. Da helfen weder Willenskraft noch Selbstdisziplin.