Computersucht: So kriegen Sie Ihr Kind vom Computer weg

Computersucht: So kriegen Sie Ihr Kind vom Computer weg

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"Jetzt hör doch endlich auf in den Computer zu starren. Lies mal was, geh raus zum Spielen. Du hockst immer nur stundenlang vor dem Bildschirm." Die Antwort lautet meist: "Lass mich in Ruhe. Ich bin schon auf Level vier. Da muss ich noch fünf schaffen." Und das Klicken der Tasten geht weiter und aus dem Computer tönt weiter die Stimme der Animation. Ihr Kind ist computersüchtig. Es kommt nicht mehr los von den Angeboten des Internets, von den Spielen, den Chats, dem elektronischen Austausch mit Gleichgesinnten. Das betrifft inzwischen Millionen von Kindern und Jugendlichen, das ist inzwischen schon ein feststehender Begriff, mit dem sich Eltern, Lehrer und sogar Mediziner auseinandersetzen müssen. Denn die krankhafte Computernutzung wird inzwischen schon als Krankheit anerkannt. 

Für viele Eltern ein Problem, mit dem sie nicht fertig werden, vor dem sie kapitulieren. Sie müssen erkennen: Den Computer kann man nutzen, um sein Wissen zu verbessern, um Fragen zu erklären - man kann mit ihm aber auch in eine Scheinwelt entfliehen. Und man kann im Internet auch an den Falschen geraten: An Menschen die Kinder und Jugendliche skrupellos ausnutzen und sie übers Internet kriminalisieren. Computersucht ist gefährlich – für das Lebensgefühl von Kindern und Jugendlichen und für Ihre Gesundheit. Deshalb hier das für alle Eltern wichtige Thema: "Computersucht: So kriegen Sie Ihr Kind vom Computer weg."

So erkennen Sie: Mein Kind ist süchtig nach Computerspielen

Die Sucht entwickelt sich bei Kindern und Jugendlichen langsam. Aber sie gleiten unweigerlich nach und nach in das Stadium eines Süchtigen hinein. Bis schließlich die Sucht ihr Leben bestimmt. Um das zu verhindern brauchen Sie ein Frühwarnsystem: Sie müssen bemerken, wenn aus dem Spiel eine Sucht wird. Dazu diese Tipps:

  • Die Betroffenen entwickeln einen inneren Zwang, sich an den Rechner zu setzen und zu spielen. Wenn Sie merken, das Ihr Kind Essen und Trinken vergisst, noch spätabends nicht vom Computer loskommt und auf Mahnungen immer ärgerlicher reagiert, seine sozialen Kontakte vernachlässigt und seine Freunde verliert – dann ist es höchste Zeit einzuschreiten. Und wenn Ihnen dann noch die Schule oder der auszubildende Betrieb mitteilt, das es immer öfter fehlt, dann ist Ihr Kind süchtig nach Computerspielen.
  • Wenn Betroffenen erst einmal vor dem Computer sitzen, dann kennen Sie keine Grenzen und finden kein Ende. Auch, wenn sie selbst sich vorgenommen haben nur eine bestimmte Zeit zu spielen können sie nicht aufhören. Ihre Einwände und Aufforderungen werden einfach ignoriert.
  • Erhöhen Sie den Druck oder bringen Ihr Kind soweit, das es selbst sagt: "Ok, ich schränke die Zeit am Bildschirm ein," dann merken Sie nach einiger Zeit: Es kann sein Versprechen nicht halten, es scheitert und hockt nach kurzer Zeit wieder vor der Tastatur – dann ist die Leidenschaft für Computerspiele schon lägst in eine gefährliche Sucht ungeschlagen.
  • Auch wenn Ihr Kind wegen seiner Leidenschaft für Computerspiele seine Freunde und sogar den Sport vernachlässigt, können Sie eine lange Zeit keine körperlichen Entzugserscheinungen wie bei einer Drogensucht feststellen. Aber achten Sie auf diese Erscheinungen: Es wird reizbar, ängstlich, nervös und ist oft deprimiert. Es verliert seine Lebenslust, wenn es längere Zeit vom Zugang zum Bildschirm ausgeschlossen wird oder sogar aus eigener Kraft darauf verzichtet. Es zeigt eindeutige Entzugserscheinungen.
  • Je länger Kinder und Jugendliche in dieser abgeschotteten Welt leben, desto mehr stumpft ihr Gehirn ab. Die Dosis der Droge "Computerspiel" muss gesteigert werden, um den ersehnten inneren Kick zu erleben. Das bedeutet, das immer häufiger und immer länger gespielt werden muss. Wenn Ihr Kind immer öfter davon spricht, dass es jetzt noch einen höheren Level erreichen will – dann ist die Sucht da.
  • Ein ganz eindeutiges Anzeichen für ein Abgleiten in die Computerspielsucht ist es, wenn selbst Strafandrohungen wie Hausarrest oder der Entzug von Taschengeld nicht helfen und der oder die Süchtige dem Thema konsequent ausweichen.
  • Die von der Sucht Betroffenen wissen meisten sehr genau, das sie sich falsch verhalten. Deshalb versuchen sie ihre Familie oder die Freunde zu täuschen. Sie nehmen Lügen zu Hilfe, sie vertuschen ihre Sucht, sie täuschen wichtige Arbeit im Internet vor – nur um weiter Ihre Computersucht auszuleben.

Ursachen der Computersucht

Wenn in eine Familie das Problem Computersucht bei Kindern oder Jugendlichen auftaucht, dann fragen sich die Eltern natürlich: "Warum ist da bei meinem Kind so. Andere Kinder haben damit doch auch keine Probleme." Für die Ursachen und das Entstehen der Computersucht oder der Abhängigkeit von facebook gibt es viele Erklärungen.

  • Wenn durch die Tätigkeit am Computer ein Erfolgserlebnis zustande kommt oder eine Anerkennung durch Mitspieler, dann will Ihr Kind diese Erlebnisse immer wieder haben. Das intensiviert die Tätigkeit am Bildschirm. Oder die Teilnahme im Chat oder im facebook.
  • Sehr oft sind negative Gefühle und Erfahrungen die Gründe, warum Kinder und Jugendliche am Computer spielen. Dabei können Sie Kummer, Frustrationen und Ängste abbauen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass im Gehirn der Abhängigen psychologische Prozesse ablaufen, die denen von Alkohol- oder Drogensüchtigen ähneln.
  • Diese Spielsucht Ihrer Kinder schaukelt sich immer weiter auf wenn Sie nicht einschreiten. Das Leben in der Familie leidet, die Psyche und Gesundheit Ihrer Kinder auch. Denn natürlich schadet ein solch intensives Hocken vor dem Bildschirm auch der Gesundheit. Es geht auf die Augen, Wirbelsäule und Gelenke werden durch die meist falsche Haltung vor dem Computer geschädigt. Weil das so ist, dürfen in diesem Artikel auch Tipps zum Thema: "So kriegen Sie Ihre Kinder vom Computer weg" nicht fehlen.

Tipps wie Sie Ihren Computersüchtigen Kindern helfen können

Wenn Eltern bemerken, dass ihr Kind fast seine gesamte Zeit vor dem Computer verbringt, dass es an dem allgemeinen Familienleben kaum noch teilnehmen, das sie sich abkapseln, das die Kontakte zu Freunden abbrechen und die schulischen Leistungen abfallen und die Ausbildung gefährdet ist, dann ist es höchste Zeit zu handeln. Noch ist es nicht zu spät, denn nicht jeder der zu viel spielt ist auch schon süchtig. Aber Sie sollten Maßnahmen ergreifen, Ihrem Kind Hilfe anbieten. Dafür in diesem Artikel einige Tipps:

  1. Versuchen Sie, es zum Sport zu bewegen. Mögllchst zu einem Sport in dem Ihr Kind schnell Erfolgserlebnisse hat. Denn dann muss es seine Erfolgserlebnisse nicht am Bildschirm suchen. Wenn es mit anderen Kindern beim Sport Erfolgserlebnisse hat, dann stärkt das sein Selbstbewusstsein, die Scheinwelt der Computerspiele ist als Hilfe für sein Ego überflüssig geworden.
  2. Sie werden das Spiel am Computer nicht generell verbieten können. Aber stellen Sie im Gespräch fest: Warum spielt mein Kind, warum ist das so wichtig? Zeigen Sie Interesse, lassen Sie sich das Spiel erklären.
  3. Versuchen Sie zu ergründen, warum das Spielen am Computer für Ihr Kind zur Sucht geworden ist. Spielt es aus Langeweile, ist es unterfordert? Oder flieht es in eine Parallelwelt, weil es mit Problemen in seiner tatsächlichen Welt nicht fertig wird.
  4. Stellen Sie mit Ihrem Kind zusammen feste Regeln auf: Wann und wie lange darf gespielt werden? Es muss Ihnen sagen, wer seine Mitspieler sind, in welchen Gruppen oder Foren es mitspielt.
  5. Bieten Sie ihm Hilfe an, bieten Sie ihm andere Möglichkeiten der Freizeitgestaltung an, finden Sie die Gemeinsamkeiten die Sie mit Ihrem Kind haben. Die beste Hilfe sind gemeinsame Erlebnisse und Interessen.
  6. Machen Sie ihm klar, das Erlebnisse und Erfolge im echten Leben besser als die virtuellen Erfolge im Internet sind.
  7. Ist der Betroffene aus Ihrer Familie schon sehr stark in seine Sucht verstrickt, dann wird es mit der Hilfe schwer, dann werden Sie ihn auch nicht zum Sport begeistern können. Er wird mit Lügen oder Ärger auf Ihre Bemühungen reagieren. Sie brauchen also Zeit und müssen das Gespräch immer wieder aufs Neue suchen. Vor allem brauchen Sie professionelle Hilfe, Tipps von Fachleuten. Die gibt es bei Beratungsstellen für Computerspielsucht. Beispiel: Der Fachverband Medienabhängigkeit der Medizinischen Hochschule Hannover bietet unter www.fv-medienabhaengigkeit.de Hilfe an und gibt Tipps. Die Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Tübingen kann ebenfalls zur Hilfe herbeigezogen werden: www.erstehilfe-internetsucht.de. Außerdem bietet die Caritas Tipps und Hilfe übers Internet an.