Cannabis: Eine Droge wird zur Medizin

Cannabis: Eine Droge wird zur Medizin

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Ein Thema, das in Deutschland seit Jahren heftig diskutiert wird: Cannabis wird immer häufiger als Medizin eingesetzt. Ist das richtig oder leisten wir der Drogensucht damit einen Vorschub? Es ist ein schwieriges Thema, denn einerseits ist Hanf eine uralte Heilpflanze, andererseits ist es eine Droge, die als Rauschmittel dient, die psychisch abhängig macht und schwere Nebenwirkungen hat, bis hin zur Schizophrenie und zum Wahn. Trotz großer Bedenken wurde Cannabis im Frühjahr 2018 als Medikament freigegeben und ist für Patienten auf Rezept erhältlich.

Das Spektrum der Gesundheitsprobleme, bei denen Cannabis eingesetzt wird ist groß. Vor allem im Bereich von chronischen Schmerzen. Patienten, die in diesem Bereich keine Therapiemöglichkeit mehr haben, bekommen auf Rezept getrocknete Cannabisblüten oder Cannabisextrakt in kontrollierter Qualität in der Apotheke. Die Kosten übernimmt in solchen vom Arzt attestierten Fällen die gesetzliche Krankenkasse. Es ist also ausgeschlossen, das Süchtige sich jetzt ihre Droge in der Apotheke holen. Der Eigenanbau, Handel und Verbrauch von Cannabis ist seit Jahren verboten und steht in Deutschland unter Strafe.

Cannabis auf Rezept wird bei vielen Krankheiten eingesetzt

Wir dürfen nie vergessen: Cannabis ist wie Marihuana, es darf nur aus medizinischen Gründen und auf Rezept legal verwenden werden. Nach bisher aktuell vorliegendem Wissen ist es sinnvoll, Cannabis bei diesen Krankheiten einzusetzen. Hier eine Liste:

  • Bei einer Chemotherapie gegen Krebs kommt es sehr oft zu dauernder Übelkeit und Erbrechen bei den Patienten. Da hat sich der Einsatz von Cannabis bewährt.
  • Chronisch Kranke, deren Schmerzen unerträglich und kaum mehr zu ertragen sind, bekommen seit 2018 Cannabis-Produkte (z. B. Dronabinol-Tropfen).
  • Nach Amputationen haben Patienten sehr oft Phantomschmerzen. Das heißt: Der amputierte Körperteil schmerzt, obwohl er gar nicht mehr vorhanden ist.
  • Am bekanntesten ist die helfende Wirkung von Cannabis bei Schmerzen, die im Nervensystem entstehen. Die englische Königin Victoria soll bereits im 19. Jahrhundert Cannabis gegen ihre Migräneanfälle genommen haben.
  • Nach einer Strahlentherapie leiden die Patienten sehr oft an spastischen und neuropathischen Schmerzen. Die lassen sich mit Cannabis gut behandeln.

Cannabis hat als Medikament einige Vorteile. Im Körper produzieren wir Cannabis ähnelnde Stoffe: Die Endo-Cannaboide. Die wirken über Rezeptoren, die auch eingenommen Cannabis-Inhaltsstoffe akzeptieren. Im zentralen Nervensystem und anderen Organen haben wir den Rezeptor CB1, dort lindert Cannabis Schmerzen, Unruhe, Angst und Stress. Der Rezeptor CB2 sitzt in den Immunzellen von Lunge und Darm, deshalb wirkt das als Medizin konsumierte Cannabis dort antientzündlich. Cannabis gehört zwar zu den Drogen, aber als Medizin auch zum Spektrum der Hilfsmittel bei vielen Krankheiten. Aktuell liegen allerdings noch kaum Studien und konkretes Wissen über die Wirkung von Cannabis vor, weil es ja bis vor einigen Monaten noch verboten war. Ärzte dürfen ein Rezept für die reinen Blüten verschreiben oder für Cannabis-Produkte in Kapseln, Tropfen, Mundspray oder Öl.

Cannabis hat mehr als 100 Wirkstoffe zu bieten

Für Cannabis als Medizin sind zwei wichtig: Das Tetrahydrocannabinol (THC) und das Cannabidiol (CBD). Die Wirkstoffe THC und CBD machen Cannabis zum Heilmittel, aber auch zur Droge hinter der die Polizei her ist. Was Sie wissen müssen: Auch als Medizin müssen Sie mit Cannabis vorsichtig umgehen, um einen Rausch zu vermeiden. Cannabis kann als Marihuana das Kurzzeitgedächtnis stark einschränken. Cannabis als Medikament ist ungeeignet für Menschen mit depressiven Störungen oder anderen psychiatrischen Krankheitsbildern. Auch Patienten mit Herzerkrankungen (Herzrhythmusstörungen) sollten die Anwendung von Cannabis als Medikament erst testen. Treten Problem auf, muss das Thema mit dem Arzt besprochen werden. Denn ohne dessen Wissen sind Sie nicht in der Lage die Auswirkungen abzuschätzen.

So wirkt Cannabis als Rauschmittel

Viele Jahre lang war Cannabis kein Thema für die Ärzte, sondern für die Polizei. Jetzt aber hat sogar der Chef des Bundeskriminalamtes gefordert, Hasch-Konsumenten sollten entkriminalisiert werden. Doch Mediziner warnen vor der Freigabe von Cannabis. Regelmäßiger Konsum um in einen Rausch zu geraten macht schläfrig, unkonzentriert und desorientiert. Im Rausch werden Süchtige zu Menschen wie aus einer anderen Welt. Will der Süchtige dann wieder von seiner Sucht weg, dann kommt es zu Entzugserscheinungen wie Schlafstörungen, Nervosität und Gereiztheit bis hin zu cholerischen Anfällen. Bei regelmäßigem Genuss ist das Risiko einer Psychose doppelt so hoch wie bei Menschen die ohne Cannabis auskommen. Sehr gefährlich ist es, wenn Jugendlich dem Marihuana verfallen. Derik Hermann, Oberarzt an der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim erklärt dazu: "Wer das während der Entwicklungsphase zu sich nimmt, riskiert Defizite im Gedächtnis und bei der Konzentration. Und diese Störungen sind irreversibel." Fazit: Cannabis darf nur als Medizin genommen werden.