Bypass oder Stent: Was hilft meinem Herz besser

Stent

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Wenn Ihre Herzkranzgefässe verengt sind, wenn das Herz nicht mehr richtig mit Blut versorgt wird - dann sind Sie in Lebensgefahr. Und dann stehen Sie vor einer wichtigen Entscheidung: Bypass oder Stent. Wenn die Ärzte zu einem oder mehreren Bypässen raten, dann steht Ihnen eine grosse Operation am Herzen mit anschliessender Reha bevor. Raten sie aber zu einem Stent, dann genügt ein Kathedereingriff mit einem winziger Schnitt in der Leiste und Sie können das Krankenhaus spätestens nach zwei Tagen wieder verlassen. Sie sehen: Die Antwort auf die Frage Bypass oder Stent ist von eminenter Wichtigkeit.

Bypass oder Stent: Der Unterschied

Zuerst zum Bypass. Wenn Ihnen ein oder mehrere Bypässe eingesetzt werden, dann wird Ihnen zuerst eine Beinvene entnommen, die dann zur Umgehung der verengten Stelle in das betroffene Blutgefäss am Herzen angenäht wird. Dabei wird Ihr Brustkorb geöffnet, das Herz wird still gelegt, eine Herz-Lungen-Maschine übernimmt die Funktion des Herzens. Nach dem Einsetzen des Bypass  sind oft viele Wochen Reha nötig, bis der Patient wieder normal leben. Danach kann das Blut wieder ungehindert bis zum Herzmuskel fliessen. Ihr Herz kann wieder normal funktionieren.

Entscheiden sich die Ärzte jedoch zu einem Stent, dann ist das viel einfacher. Der  Stent besteht aus einem Metallgeflecht. Er wird von Kardiologen sehr oft schon bei der Untersuchung mit einem Herzkatheter in die verengte und  durch Ablagerungen verstopfte Arterie geschoben, wo er den Durchfluss für das Blut offen halten und einen Infarkt verhindern soll. Ein  schneller und schonender Eingriff, bei dem der Patient nach kurzer Zeit wieder auf den Beinen ist.

Die bessere Methode

Was ist nun die bessere Methode um Ihrem Herzen zu helfen: Bypass oder der schnelle und unkomplizierte Stent? Darüber sind sich die Ärzte immer noch uneins. In der "Sytax-Studie" wurden 1 800 Patienten die entweder einen Bypass oder einen Stent bekommen hatten über fünf Jahre lang beobachtet. Danach stand fest: In der Gruppe der Bypass-Patienten gab es deutlich weniger Herzinfarkte, Schlaganfälle, Herztote oder Neuoperationen als in der Gruppe der Stent-Patienten.

Nach der Auswertung der Studie kam das Forscherteam um den Leipziger Herzchirurgen Prof. Friedrich W. Mohr zu der Einschätzung, das deshalb die Bypass-Operation bei komplizierten Herzkranzerkrankungen der Standard bleiben sollte. Ist das Krankheitsbild jedoch einfach und unkompliziert, dann ist der Stent eine akzeptable Alternative.

Vor allem bei Diabetikern erhöht sich das Risiko für einen Herzinfarkt, den Herztod oder einen Schlaganfall für Patienten mit einem Stent gegenüber Patienten mit einem Bypass deutlich: Es lag nach einer Studie australischer und kanadischer Ärzte um fast ein Drittel höher.

Der Arzt trifft die Entscheidung

Welche der beiden Möglichkeiten - Bypass oder Stent - für Sie die bessere ist, das muss der Arzt entscheiden. In der Regel wird er sich dann für eine Bypass-Operation entscheiden, wenn mehrere und vor allem die grossen Blutgefässe von einer Verengung betroffen sind. Diese schwere und komplizierte Operation ist im Verlauf der Jahre immer weiter verbessert worden. In den Anfängen dieser Art der Herzchirurgie starb fast jeder vierte Patient bei der Operation, oder kurz darauf an ihren Folgen. Dieses Risiko ist heute deutlich gesunken und spielt fast keine Rolle mehr.

Für Sie das Beste ist natürlich, diese schwerwiegende Frage gar nicht erst aufkommen zu lassen. Indem Sie rechtzeitig der fatalen Verengung der Herzkranzgefässe vorbeugen. Das ist relativ einfach. Einer der grössten Risikofaktoren ist das Rauchen, danach kommen Übergewicht, Diabetes, falsche Ernährung und mangelnde Bewegung. Schränken Sie den Verbrauch von tierischem Fett, Fleisch und Zucker ein. Essen Sie mehr Obst, Vollkornprodukte und Gemüse. Und bewegen Sie sich regelmässig: Jeden Tag eine halbe Stunde kräftige Bewegung bei der Sie ins Schwitzen kommen ist gut für Ihr Herz und die Blutgefässe. Und erspart Ihnen die Entscheidung "Bypass oder Stent". Denn dann brauchen Sie keinen von beiden.