Blutwerte verstehen

Der jährliche Check beim Doktor, die Blutentnahme, das Blutbild und dann das große Geheimnis: Was sind HDL, LDL, Triglyceride, C-reaktives Protein, Creatinkinase oder der PSA-Wert? Böhmische Dörfer für jeden Laien - und das sind ja wohl die meisten Menschen, die mit diesen Begriffen konfrontiert werden. Die Erklärung und was sie für unsere Gesundheit bedeuten.

Die wichtigsten Blutwerte

Sie haben Ihren Jahrescheck gemacht, der Doktor hat mit Ihnen geredet und das Blutbild besprochen. Dabei geschieht in der Regel folgendes: Da der Arzt oder die Ärztin unter dem Druck der Gebührenordnung kaum mehr Zeit hat, bekommen Sie nur ein grobes Raster Ihres gesundheitlichen Zustands. Im Eilzugtempo rasselt Ihr Arzt/Ärztin die Fachbegriffe und Abkürzungen runter, sagt nur "Ja, in Ordnung," oder "Oh, da müssen Sie aufpassen," und schließt kurz und bündig mit einer einem Schnelldurchgang Ihres Gesundheitszustands. Selbstverständlich bekommen Sie einen Ausdruck Ihrer Auswertung und ein paar gute Ratschläge. Das wars dann aber auch schon.

Es macht also schon großen Sinn, wenn Sie wenigstens einigermaßen verstehen, worüber da geredet wird.

1. Ihre Eisenwerte im Blut

Ohne Eisen kann das Hämoglobin in den roten Blutkörperchen keinen Sauerstoff binden, bei einem Mangel kommt es zu der gefürchteten Anämie. Die Eisenwerte könnten direkt gemessen werden, da der Eisenspiegel im Blut aber innerhalb eines Tages sehr stark schwankt, ist eine solche Messung unbrauchbar. Deshalb wird der Eisenwert über das Protein Ferritin gemessen. Das speichert Eisen im Körper und gibt genaue Auskunft über Ihren Zustand in Sachen Eisenwerte. Zu niedrige Eisenwerte führen zu starke Müdigkeit, nachlassen der Muskelkraft und Schwächung des Immunsystems. Sie sind auch ein Signal für Entzündungen und Tumore. Ein Makel kann entstehen durch:

  • Konsequente vegetarische Ernährung
  • Alkoholismus
  • Einseitige Diäten
  • Starken Blutverlust (Menstruation)

2. Erhöhte Blutfettwerte

Die sind zur Zeit besonders im Gespräch, denn da geht es auch um Cholesterin, um die richtige Ernährung und Lebensweise.

A. Cholesterin

Das ist ein Vorläufer der Gallensäure, ist wichtig für Nerven und Organe. Es dient der Herstellung von Hormonen in Nebennierenrinde, Hoden und Eierstöcken. Cholesterin wird in der Leber gespeichert, bis es gebraucht wird. Die normalen Cholesterin-Werte richten sich nach dem Alter. Bis zur Geschlechtsreife ist ein Wert von etwa 180/Milligramm je Deziliter Blut normal. Bis zum Alt von 40 Jahren sind es 220 mg/dl, danach darf der Wert auf 240 mg/dl steigen. Danach wird es kritisch und kann zu schweren Krankheiten führen.

B. Die Triglyceride

Triglyceride bestehen aus Glycerin und Fettsäuren. Diese unterteilen sich in gesättigte und ungesättigte Fettsäuren. Die gesättigten werden sofort in unseren Fettdepots gespeichert, die ungesättigten sind für den Stoffwechsel sehr wichtig und sehr wertvoll. Bei Erwachsenen sollte der Wert unterhalb 200 mg/dl liegen. Wird mehr gefunden, dann deutet das auf Diabetes, Gicht, Nierenstörungen, Alkoholmissbrauch oder Fettsucht hin.

C. Das LDL

Das transportier Cholesterin von der Leber zu den Organen und Geweben. Ist zu viel Cholesterin da, wird es ans Blut abgegeben. Dort führt es in den Blutgefässen zur Plaquebildung und zum Verschluss von Gefässen (Infarkt). Der Normwert sollte 155 mg/dl nicht übersteigen, sonst steigt das Risiko meiner Gefässerkrankung.

D. Das HDL

HDL wird auch das "gute Cholesterin" genannt. Der Grund: Es ist in der Lage, überschüssiges Cholesterin aus dem Blutkreislauf und aus Organen aufzunehmen und zur Leber zurück zu transportieren. Ausserdem verhindert es die Plaquebildung und kann diese angeblich wieder zurückbilden. Bei Frauen sollte der Wert zwischen 30 und 35 mg/dl liegen, bei Männern zwischen 35 und 45 mg/dl. Liegen die Werte niedriger, besteht die Gefahr von Plaquebildung.

3. Blutzuckerwerte

Die Blutzuckerwerte sollten - nüchtern gemessen - zwischen 70 bis 100 mg/dl liegen. Nach dem Essen darf der Wert auf bis zu 160 mg/dl ansteigen. Sollten Ihre Blutzuckerwerte zu hoch sein, so merken Sie zuerst das an einem erhöhten Harndrang. Zur Wertung: Nüchernwerte über 110 mg/dl und Werte über 140 mg/dl nach dem Essen sind zu hoch. Werden Werte über 200 mg/dl gemessen, dann ist das schon ein sehr sicherer Hinweis auf Diabetes mellitus. Dann ist es auch mit einer Diät nicht mehr getan, Sie bedürfen der Behandlung durch den Arzt.

4. Das C-reaktive Protein

Noch nie gehört? Dann sollten Sie das jetzt aufmerksam lesen. Dieser Blutwert - auch CRP genannt - gibt Aufschluss über bakterielle Infektionen und auf akute oder chronische Entzündungen im Körper. Ein CPR-Wert bis zu 6 mg/dl ist normal und gibt keinen Anlass zur Besorgnis. Bei Krebs, rheumatischen Beschwerden und einem drohenden oder akuten Herzinfarkt steigen die CRP-Werte an. Sehr viel genauer ist der hs-CRP-Test. Überschreitet dieser Wert 2.9 mg/dl dann droht unmittelbar ein Herzinfarkt. Es müssen sofort senkende Mittel eingesetzt werden.

5. Creatinkinase (CK-MB)

Das ist ein Enzym, das in den Muskelzellen und im Gehirn vorkommt. Die Creatinkinase des Herzens wird mit CK-MB abgekürzt. Ein Anstieg weist auf einen Herzinfarkt hin. Um da sicher zu sein, müssen mehrere Blutproben im Abstand weniger Stunden genommen werden. Es wird dabei der Verlauf des Infarkts festgestellt. Es müssen da also noch andere Messungen von Herzenzymen durchgeführt werden.

6. Hämatokritwert (HK oder Hkt)

Das ist der Wert aller zellulären Bestandteile im Blut. Bei Frauen kann er bis zu 47%, bei Männern sogar bis zu 54% des Blutes ausmachen. Er besteht zu über 95% aus roten Blutkörperchen. Ein erhöhter Wert kann durch Flüssigkeitsmangel, durch Sauerstoffmangel oder durch eine fehlerhafte Zellproduktion entstehen. Ist der Wert zu niedrig, dann besteht entweder eine Anämie oder das Blut ist überwässert (im Volksmund: zu dünn).

7. Harnsäurewerte (HS)

Normal sind Harnsäurewerte im Blut bei Frauen zwischen 2.4 und 5.7 mg/dl, bei Männern 3.7 bis 7.0 mg/dl. Liegen Ihre Werte aber konstant höher, dann besteht die Gefahr einer Fehlfunktion der Nieren. Es kann zur Kristallbildung kommen, die führt zu Nierensteinen und/oder Gicht. Ursachen dafür sind meist:

  • Einseitige Fastenkuren
  • Purinreiche Kost ( Fettes Fleisch, Spargel, Hülsenfrüchte)
  • Zuckeraustauschstoffe
  • Alkohol
  • Bleivergiftung
  • Chemo- oder Strahlentherapien
  • Mangelnde Hormonversorgung durch die Schilddrüse
  • Übersäuerung des Blutes durch Milchsäure

8. Der Kreatinin-Wert

Kreatinin ist ein Stoffwechselprodukt, dessen Blutwert Auskunft über den Zustand unserer Nieren gibt. Sind deren Funktionen gestört, wird weniger Kreatinin über das Blut ausgeschieden. Der Kreatininspiegel im Blutserum ist abhängig vom Alter, Geschlecht, von der Nierenfunktion und in einem gewissen Umfang auch von der Ernährung (erhöhter Fleischkonsum lässt den Spiegel ansteigen), von körperlicher Arbeit und von der Muskelmasse. Bei Frauen liegen die Normalwerte zwischen 0.66 mg/dl und 1.25 mg/dl, bei Männern zwischen 0.85 und 1.25 mg/dl. Sind Ihre Werte abweichend, dann deutet das auf eine Nierenfunktionsstörung hin.

9. Gamma GT-Wert

Mit das meistdiskutierte Thema an den Stammtischen: "Wie ist Dein Gamma GT-Wert?" Gamma-GT (Gamma-Glutamyl-Transferase) ist ein Enzym, das in Leber, Nieren, Bauchspeicheldrüse, Dünndarm, Milz und anderen Geweben vorkommt. Die Gamma-GT, die der Arzt im Blut bestimmt, stammt aus der Leber. Die Gamma-GT ist an die Wand der Zellen in der Leber und in den Gallenwegen gebunden. Schon bei einer leichten Schädigung von Leber oder Gallenwegen steigt der Wert der Gamma-GT im Blut an. Die Gamma-GT ist daher ein sehr empfindlicher Wert, um Schäden an Leber oder Gallenwegen festzustellen. Je höher der Wert, desto größer ist der Schaden.

  • Normalwert bei Männern: bis zu 55 U/L
  • Normalwert bei Frauen: bis zu 38 U/L

Das treibt den Gamma GT-Wert nach oben:

  • Alkoholmissbrauch
  • Medikamente
  • Leberentzündung
  • Leberzirrhose
  • Leberkrebs
  • Chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)
  • Gallenstau
  • Entzündung der Gallenwege

10. Der PSA-Wert

Das prostataspezifische Antigen (PSA) ist ein Eiweissstoff, den die Prostata produziert. Er hält den Samen flüssig. Wird ein Wert von über 4.0 ng/ml festgestellt, dann besteht der Verdacht auf Prostat-Krebs. Dann muss der Arzt die Prostata mit der Hand abtasten. Mit dem PSA-Wert allein kann man Prostatakrebs nicht diagnostizieren.