Asperger-Syndrom: Was ist das eigentlich

Eine 16-jährige Schwedin sorgt weltweit für Aufmerksamkeit, wenn es um das Thema "Klimawandel" geht. Das Mädchen Greta das vor allem in Deutschland Millionen Anhänger mobilisiert leidet an einer seltenen und sehr spezifischen Krankheit: Dem Asperger-Syndrom. Das Asperger-Syndrom ist eine autistische Erkrankung. Viele ihrer Gegner weisen immer wieder darauf hin und benutzen den Begriff Asperger-Syndrom um Greta eine geistige Behinderung vorzuwerfen.

Ihre Anhänger wiederum bestehen darauf, das Greta eben wegen ihres Asperger-Syndroms speziell befähigt ist, die ganze Problematik des Klimawandels zu erfassen, zu begreifen und wiederzugeben. Darüber streiten sich in Deutschland Millionen Menschen. Die wenigsten allerdings wissen, was es mit dieser Krankheit auf sich hat: Warum bekommt ein Mensch dieses Syndrom, wie äußerst sich das, ist es eine Form von Geisteskrankheit – oder ist es eine seltene Befähigung komplexe Dinge wie den Klimawandel zu durchschauen und einfach und verständlich darzustellen. Sind Menschen mit dem Asperger-Syndrom Seher, die mehr sehen und begreifen als andere Menschen – oder sind es nur Spinner, die eisern auf einer Meinung beharren, auch wenn diese nicht stimmt? Wir wollen versuchen, diese besondere Form des Autismus zu erklären, wie man sie erkennt, wie man mit ihr umgeht – und warum Menschen mit einem Asperger-Syndrom so ganz anders sind. Und oft Fähigkeiten besitzen, die der "normale" Mensch nicht hat.

Das Spektrum der Symptome

Johann Friedrich Karl Asperger war ein österreichischer Kinderarzt und Heilpädagoge. Er beschrieb als erster die Symptome einer speziellen Form des Autismus, das nach ihm benannte Asperger-Syndrom. Hier eine Beschreibung dieser speziellen Krankheit (Quelle: Deutsche Apothekerzeitung):
Wenn Kinder am Asperger-Syndrom erkranken, dann treten die Symptome schon sehr früh auf. Etwa ab dem zweiten bis dritten Lebensjahr. Die Störungen sind leicht zu erkennen:

  • Das Kind entwickelt bereits im Vorschulalter eine reduzierte Kontaktfähigkeit. Es zieht sich zwar nicht vollständig zurück, aber es ist sehr zurückhaltend und "fremdelt" gerne.
  • Die Sprachentwicklung verläuft verzögert, ist aber meist ungestört. Das Kind spricht einfach später als andere Kinder.
  • Wenn sich das Syndrom weiter entwickelt führen betroffene Kinder sehr häufig Selbstgespräche.
  • Die Sprachmelodie des Kindes ist auffällig und passt sich dem Zuhörer wenig an.
  • Die Kinder beginnen sich abzuschotten, soziale Störungen treten auf. Vor allem, wenn es um die Kommunikation mit fremden Menschen geht.
  • Dadurch kommt es zu Lernschwierigkeiten, die aber nichts mit der Intelligenz zu tun haben. Kinder mit dem Asperger-Syndrom haben in der Regel eine durchschnittlich oder sogar überdurchschnittlich entwickelte Intelligenz.
  • Anforderungen, Einschränkungen oder Probleme werden nur schwer akzeptiert. Sie können zu Wutanfällen führen.
  • Ein Kind mit dem Asperger – Syndrom versucht immer rücksichtslos seinen Willen durchzusetzen.
  • Es ist auffallend humorlos und kann vor allem über sich selbst nicht lachen. Das erschwert den sozialen Umgang mit anderen Kindern.

Großes Risiko: Röteln in der Schwangerschaft

Das Asperger – Syndrom ist eine Form des Autismus. Bei der Untersuchung von Menschen, die damit leben müssen zeigte sich bei der Anwendung von bildgebenden Verfahren, das bei einem bestimmten Teil der Autisten gewissen bestimmte Hirngebiete unterentwickelt sind. Diese stehen in einem Zusammenhang mit der Sprachentwicklung und dem sozialen Verhalten. Je größer diese Veränderungen sind, desto eher lautet die Diagnose Ihres Arztes: "Ihr Kind leidet an Autismus."
Besonders gefährlich: Wenn eine Schwangere an Röteln erkrankt, dann steigt das Risiko für das Kind autistische Symptome zu entwickeln um das Zehnfache.

Verhaltensweisen nach der Kindheit

Wenn Menschen die vom Syndrom Asperger betroffen sind dem Kindesalter entwachsen, dann entwickeln diese Menschen bestimmte stereotype Verhaltensweisen, die ihr Leben prägen. Das führt sehr oft zu Schwierigkeiten im sozialen Leben:

  • Sie brauchen unbedingt einen festen regelmäßigen Tagesablauf in ihrem Leben, das macht sie sehr unflexibel. Das Spektrum ihrer sozialen Kommunikation ist nur sehr begrenzt, da sie Veränderungen meistens ablehnend gegenüber stehen. Plötzliche Umstellungen gewohnter Abläufe können häufig zu großen Krisen führen. Wenn Sie also ein heranwachsendes Kind mit der Diagnose Asperger-Syndrom haben, dann sollten Sie ihm einen festen Rahmen geben, in dem sein Leben regelmäßig abläuft.
  • Auffällig ist auch, das betroffene Menschen kaum den Blickkontakt zu anderen halten können und deren Emotionen wahrnehmen. Sie gelten deshalb oft fälschlicherweise als emotionslos und ohne Fähigkeiten die Probleme ihrer Umwelt wahrzunehmen.
  • Autisten – und das sind Menschen mit Asperger-Syndrom ja – können Ironie kaum erkennen und regieren darauf falsch und sehr oft mit Zorn. Sie nehmen jede Äußerung für bare Münze und können die darin enthaltene Ironie nicht erkennen. Das schafft zusätzliche soziale Probleme, weil sie dadurch in den Ruf geraten zu empfindlich zu sein und stets zu überreagieren.
  • Da sie ihre Emotionen nicht im Griff haben, gibt es mit ihnen oft Schwierigkeiten, weil sich ihre Umwelt die Wutattacken nicht erklären kann.
  • Diese scheinbare Emotionslosigkeit führt dazu, das vom Autismus befallene Menschen kaum Freundschaften schließen können. Das Spektrum ihrer Fähigkeiten schließt Freundschaften fast immer aus.

Die besonderen Fähigkeiten der Menschen mit dem Syndrom Asperger

Nun haben aber Menschen die unter dem Syndrom Asperger leiden nicht nur soziale Schwierigkeiten und andere Defizite. Das wird gerade im Fall "Greta" deutlich. Diese verfügt über eine große Kompetenz in der Überzeugung und einen bedingungslosen Willen, ihre Vorstellungen und ihre Meinung durchzusetzen. Dabei stört ihre Diagnose "Asperger-Syndrom" keineswegs, sondern ist in diesem Fall sogar hilfreich. Viele, die unter Syndrom Autismus leiden, haben in bestimmten Teilbereichen unseres Lebens sogar eine besonders hohe Intelligenz. Kinder mit dem Asperger-Syndrom fallen zum Beispiel schon im Vorschulalter dadurch auf, das sie sich Zahlen oder bestimmte Daten besonders gut merken können, obwohl sie sonst Schwierigkeiten haben, sich bestimmte Verhaltensweisen einzuprägen. Gewissen – oft sehr schwierigen und komplexen – Zusammenhängen gehen sie sehr oft mit großer Gründlichkeit auf den Grund. Dabei entwickeln sie spezielle Interessen und Sonderbegabungen. So wie Greta zum Thema Klimawandel. Interessant ist auch, das im IT-Bereich Erwachsene mit Asperger-Syndrom als Mitarbeiter sehr gefragt sind. Darüber hinaus ist beim Asperger-Syndrom die Denkfähigkeit oft beeindruckend. Originelle Ideen sowie gute Fähigkeiten zu logischem und abstraktem Denken sind häufig anzutreffen.

Das Syndrom Asperger: Wie entsteht es, ist es heilbar?

Die Wissenschaft geht davon aus, dass auf 1 000 Menschen ein bis drei Fälle Asperger kommen. Die Diagnose dieser Erkrankung ist bekannt und gesichert. Über die Ursache der Störungen weiß man noch sehr wenig. Bei der Entstehung von Autismus spielen genetische Faktoren eine Rolle, aber auch Erkrankungen, wie – bereits erwähnt – Röteln in der Schwangerschaft. Wenn die Diagnose Autismus lautet, dann bedeutet das: Mit diesen Störungen muss das ganze Leben gerechnet werden. Aber Autisten kann geholfen werden: Durch gezielte Förderung im Kindesalter, durch verhaltenstherapeutische Maßnahmen und durch verständnisvolles Eingehen auf die Störungen und Besonderheiten des Autisten.