Verdauungsprobleme: Verdauung anregen

Mehr Bewegung fördert die Verdauung.

© Udo Kroener - Fotolia.com

Die Hälfte aller Deutschen leidet an Magen-Darm-Beschwerden. Diese Verdauungsstörungen treten in vielen, verschiedenen Formen auf. Da gibt es Blähungen, Völlegefühl, Bauchhochstand, Durchfall, Verstopfung, den Reizdarm, das Sodbrennen. Wie funktioniert denn eigentlich die Verdauung? Alles, was wir essen, wird in einem komplizierten chemischen Ablauf verarbeitet. Das dauert in Summe meist 30 bis 40 Stunden. 6 Stunden verweilt der Speisebrei etwa im Magen. Kohlenhydrate wandern schnell in den Dünndarm, Fett und Eiweiß langsamer. Je kalorienreicher das Essen, desto langsamer die Verdauung.

Rund 8 Prozent der Erwachsenen ab dem 14. Lebensjahr - und das sind immerhin 4,8 Millionen Menschen - klagen über ständige Darmträgheit. 69 Prozent der Betroffenen sind Frauen, 31 Prozent sind Männer. 65 Prozent der Betroffenen können ihr Problem nur mit der Einnahme von Abführmittel lösen. Das sind 3, 1 Millionen Deutsche. Und 70 Prozent der Verwender von derartigen Verdauungshilfen sind Frauen, 30 Prozent Männer.

So funktioniert die Verdauung

Die Verdauung startet bereits beim Kauen im Mund. Da beginnen Enzyme zu fermentieren. Daher ist gutes Kauen - mindestens 25 Mal pro Bissen - wichtig. Die Nahrung gleitet durch die Speiseröhre in den Magen. Hier kommen Verdauungssäfte hinzu. Die nächste Station ist der Zwölffinger-Darm, der erste Teil des Dünndarms. Hier werden Enzyme der Bauchspeicheldrüse und der Leber aktiv.

Da die Leber nachts neue Enzyme produzieren muss, ist es nicht gut spät abends zu essen. Darum gibt es dann oft Verdauungsprobleme. Im Dünndarm werden dann Vitalstoffe aus der Nahrung aus Blut und Lymphe aufgenommen. Der Brei gelangt nun weiter in den Dickdarm. Hier treten gesundheitsfördernde Bakterien in Aktion, um aus dem Speisebrei Wasser und Mineralstoffe herauszuholen und alles zu verarbeiten, was bisher nicht verdaut werden konnte. Dabei entstehe auch die unliebsamen Gase. Der Rest wird ausgeschieden.

So entstehen Verdauungsprobleme

Und wie kommt es zu den verschiedenen Verdauungsproblemen? Unser Darm ist eine Diva. Sehr sensibel. Kein Wunder: Er ist von mehr als 100 Millionen Nervenzellen umhüllt. Wenn man also das Falsche isst und trinkt, reagiert der Magen-Darm-Trakt sofort. Das tut er aber oft auch auf seelische Konflikte und Störungen, weil es ja zwischen Gehirn und Darm eine direkte Informations-Verbindung gibt. Darum kann Ärger zu Durchfall, Frustration zu Verstopfung führen. Es ist sehr wichtig, dass man bei Verdauungsstörungen sofort etwas unternimmt und nicht zuwartet. Es geht dabei auch um unsere Immunkraft. Sie wird etwa zu 70 Prozent im Darm aufgebaut und stabilisiert. Es geht also nicht nur um die lokalen Beschwerden.

Das braucht unser Körper zu einer optimalen Verdauung: Wasser, Ballaststoffe, Kohlenhydrate, Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Milchsäurebakterien aus Joghurt, Kefir, Molke, Sauerkraut. Probleme hingegen hat der Darm mit zuviel Alkohol, mit zu viel Fett und rotem Fleisch.

Und so können wir in dieser Jahreszeit unsere Verdauung Gutes tun: Wir sollten oft gedünstete Karotten in den Speiseplan einbauen, auch Kohlgemüse, Brokkoli, dafür weniger Süßigkeiten. Fasten, damit der Darm eine Pause machen kann, viel trinken und regelmäßig Bewegung machen.

Verdauung anregen

Es gibt kleine Tricks in der Ernährung, mit denen man die Verdauung anregen kann: Dazu gehören süßer Paprika , weißer und schwarzer Pfeffer, Curry, Senf, Meerrettich , eine fettfreie Gemüse-Bouillon und Bittergetränke wie etwa Salbeitee, Artischockensaft oder folgender Aperitif: 1 Glas Tomatensaft oder Misch-Gemüsesaft mit dem Saft 1/2 Zitrone und 2 Teelöffel Sellerisaft.

Sehr wichtig ist im Rahmen einer gesunden Ernährung für eine gut funktionierende Darmtätigkeit das Frühstück. Es ist im Grunde genommen die wichtigste Mahlzeit des Tages. Daher sollte man darauf niemals verzichten. Also: Morgens rechtzeitig am Morgen aufstehen. Für alle jene, denen die Ernährung hilft, gehen Verstopfung anzukämpfen, solltenregelmäßig Müsli essen. Mit Vollkornflocken oder geschrotetem Korn, aber auch mit frischen Früchten der Saison. Es ist vollkommen egal, ob das Müsli mit Milch, Joghurt oder Obstsäften angerichtet wird.

Bei manchen Menschen bringt es enorm Viel für die Verdauung, wenn sie ihre Ernährung auf Vollkornprodukte umstellen: auf Vollkornbrot, Vollkorn-Teigwaren und vieles andere. Allerding muss man auch warnen. Wer jahrzehntelang sein ganzes Leben Weißmehlprodukte verzehrt hat, der kann entweder gar nicht mehr oder nur sehr vorsichtig auf Vollkorn umsteigen. Seine Magenwände und die Darmwände sind auf diese anstrengende Arbeit nicht eingestellt. Es kann - zumindest anfangs - zu schweren Verdauungsstörungen oder zu Beschwerden führen. Daher sollte jeder, der auf Vollkorn-Nahrung umsteigt, zuerst einen sanften Weg wählen. Hirse zum Beispiel eignet sich dazu ganz wunderbar, weil sie leicht verdaulich ist.

Viele, die an Verstopfung leiden, vieles ohne Erfolg ausprobiert haben, werden jetzt mit Recht fragen: Wenn nun die alten Hausmittel, die ballaststoffreiche Ernährung, Atemübungen, Massagen, Gymnastikübungen und Freizeitsport nichts nützen, muss ich dann gleich zu einem Abführmittel greifen, um mein Problem zu lösen ? Die Antwort lautet:Nein. Das ist nicht der richtige Weg. Für einen gesunden Darm, für eine gute Verdauung muss man Zeit investieren.

Daher ist es notwendig, im Kampf gegen Verdauungsprobleme ein ganz spezielles ein Verdauungsprogramm aufzubauen. Damit schaltet man von Anfang an Enttäuschungen und Misserfolge aus. Der Sinn dabei ist: Man versucht, Schritt für Schritt gegen Verstopfung vorzugehen. Man handelt dabei verantwortungsvoll und entsprechend den neuesten Erkenntnissen der Gastroenterologie. Man verhindert unangenehme und schädliche Nebenwirkungen. Und man weiß: Es wird ein Erfolgserlebnis geben. Bei dem einen früher, beim anderen später.

Bewegung bringt die Verdauung auf Trab

Bewegung ist Leben, und Leben ist Bewegung. Dieser Kernsatz ist für die Gesundheit, Fitness und Vitalität des Menschen von großer Bedeutung. Er kann aber aber in manchen Fällen der Verstopfung erfolgreich angewendet werden.

  • Setzen Sie sich regelmäßig aufs Fahrrad und treten Sie fest in die Pedale. Am gesündesten ist es natürlich in freier Natur. Doch auch das Trainieren auf dem Trimmrad zuhause oder im Fitness-Club kann sinnvoll sein.
  • Gehen Sie regelmäßig zum Schwimmen.
  • Nützen Sie schönes Wetter am Wochenende für Wanderungen durch die Natur.
  • Zuhause im Bett oder auf dem Boden hat sich folgende Gymnastikübung bestens bewährt: Legen Sie sich auf den Rücken.Stützen Sie die Hände in die Hüften, strecken Sie die Beine hoch und machen Sie 10 Minuten lang Radfahr-Bewegungen in der Luft.
  • Wer diese Übungen nicht durchführen möchte,der sollte zumindest Laufen, auf einem Bein hüpfen, stehend auf den Zehen auf und ab wippen. Es ist auch verdauungsfördernd, wenn man in die Hocke geht und sich in dieser Haltung auf den Zehenspitzen ein Stück fortbewegt.
  • An der amerikanischen Berkeley Universität hat man nachgewiesen,dass vielen Menschen regelmäßiges Seilhüpfen hilft, die Verdauung zu verbessern und Verstopfung zu besiegen.
  • Außer Bewegen und Atmen sind mitunter auch Massagen wirkungsvoll. Legen Sie sich mehrmals am Tag in Rückenlage auf den Boden und massieren Sie sanft mit beiden Händen den Bauch.

Gesunde Ernährung für den Darm

Grundsätzlich lohnt es jedoch immer, im Kampf gegen Verdauungsprobleme auch den Weg über die gesunde Ernährung zu suchen. Vor allem, wenn es um die Vorbeugung der Verstopfung geht. Und das sind die wichtigsten Kriterien der gesunden Ernährung gegen die Obstipation:

  • Wir trinken alle viel zu wenig Wasser oder ungesüßte Kräutertees. Unser Darm braucht - wie der gesamte Organismus - regelmäßig reichlich Flüssigkeit. Notwendig sind täglich 1 1/2 bis 2 Liter Wasser. Besonders Senioren müssen im Interesse ihrer Verdauung darauf achten. Sie haben oft kein Durstgefühl mehr und vergessen aufs Trinken.Bei ihnen besteht dann die große Gefahr, dass der Darm austrocknet.
  • Wer auf eine gesunde Ernährung wert legt, der sollte einfach die Faustregel beherrschen: mehr Obst und Gemüse, möglichst roh verzehrt oder schonend zubereitet. Weniger Fleisch, wenig tierische Fette,dafür mehr Fisch,pflanzliche Öle, Vollkornprodukte.Verzichten Sie auf allzu viele Süßigkeiten und auf einen zu exzessiven Gebrauch von Zucker. Gehen Sie sparsam mit Hefebackwaren um. Trinken Sie nicht zuviel Kaffee und Alkohol.
  • Speziell diese gesunde Ernährungsform erfordert eine grundsätzliche Maßnahme: Gut gekaut ist halb verdaut. Wer langsam isst, wer die Speisen genießt wer jeden Bissen 30 bis 50 Mal kaut, der nimmt dem Darm bereits ein schönes Stück Arbeit ab und trägt zur Verbesserung der Verdauung bei.

Verdauungs-Training gegen Verdauungsprobleme

Das Verdauungs-Training gegen Verdauungsprobleme besteht aus einem Mehr-Stufen-Programm: Zuerst startet man mit dem Einsatz von bewährten, harmlosen Hausmitteln. Dann versucht man es mit Bewegungsprogrammen. Im weiteren Verlauf stellt man die Ernährung um. Und erst dann, wenn das alles nichts bringt, wählt man schonende, moderne Verdauungshilfen.

Welche Mittel - Laxantien genannt - setzt man ein? Es gibt so viele verschiedene Präparate. Es gehört daher auch zum Verdauungs-Programm gegen Verstopfung, dass man sich über die Palette der Verdauungshilfen einen Überblick verschafft. Man kann die Präparate zur Behandlung von Obstipation in drei große Gruppen einteilen: Es gibt Füll- und Quellmittel, weiters osmotisch wirkende Mittel und hydragoge Laxantien.

Zur Gruppe der Füll- und Quellmittel gehören die Weizenkleie, der Leinsamen und Zellulose-Derivate. Der Vorteil ist die absolut lokale Wirksamkeit im Darm. Das heißt: Die Mittel werden nicht aufgenommen.Dadurch können auch Nebenwirkungen vermieden werden, wenn man für genügend Flüssigkeitszufuhr sorgt.

Die Wirkung der Füll- und Quellmittel ist erst nach Tagen zu erwarten. Auch der erfolg der Anwendung hängt von einer reichlichen Flüssigkeitsaufnahme ab. Sonst können die Naturstoffe im Darm nicht aufquellen. Ein Problem ist das immer wieder bei älteren Menschen, die ein geringes Durstempfinden haben und daher nicht genügend Wasser trinken. Patienten mit Herzproblemen dürfen gar nicht all zuviel Flüssigkeit aufnehmen.

Und so funktionieren die Quell- und Füllmittel: Sobald sie im Darm aufgequollen sind, wird eine Dehnung des Darms verursacht. Dadurch kommt es zu einer Zusammenziehung von Muskelfasern. Und das wieder regt die Tätigkeit des Darms an.

Wieder aber muss betont werden: Wenn jemand Störungen in den Nerven der Dickdarmwände oder eine Erkrankung in den innersekretorischen Drüsen hat , dann wird er mit den Quell- und Füllmittel keinen Erfolg haben. Weil die zentrale Steuerung der Darmbewegung nicht funktioniert.

Zu den osmotisch wirkenden Mitteln gehören Natriumsulfat in Form von Glaubersalz und Magnesiumsulfat in Form von Bittersalz, aber auch Präparate,die Zucker und Fruchtsäuren enthalten.

Die Wirkung dieser Abführmittel beruht auf einem altbekannten Mechanismus: einer osmotische bedingten Flüssigkeitsverschiebung vom Blut des Darmes ins Darm-Gewebe. Aus dem Kreislauf wird Flüssigkeit abgezogen und dem Darm zugeführt. Dadurch ist es möglich, das der Darminhalt verflüssigt werden kann. Damit wieder kann das Speisebrei-Volumen vergrößert werden. Und das regt erfahrungsgemäß in vielen Fällen die Darmtätigkeit an. Das ist ähnlich wie bei den Quellmitteln.

Allerdings besteht ein entscheidender Unterschied: Bei den Quellmitteln kommt die Flüssigkeit aus dem Darm direkt. Bei dem osmotisch wirkenden Mitteln wird sie eben aus dem Gewebe und aus den Blutgefäßen geholt. Man also parallel zur Einnahme der Mittel große Mengen an Flüssigkeit zu sich nimmt,um den Verlust aufzufüllen.

Osmotisch wirkende Abführmittel werden in Krankenhäusern und Sanatorien nur selten eingesetzt . Eine Daueranwendung ist abzuraten,da die Salze der Präparate zum Teil vom Organismus aufgenommen werden. Und das wieder kann für Patienten mit Bluthochdruck, Herzmuskelschwäche und Nierenerkrankungen gefährlich werden.

Und noch einen Nachteil hat man bei der Einnahme von Glauber- und Bittersalzen - aber auch bei Rizinus-Öl - entdeckt, der in der modernen Zeit für Frauen und Mädchen sehr verhängnisvoll sein kann. Die Mittel wirken entweder ausschließlich oder auch im Dünndarm-Bereich, in dem nicht nur lebenswichtige Vitamine und Mineralstoffe,sondern auch die Inhaltsstoffe von Medikamenten in den Organismus übergehen. Wird hier die Passage bei Verstopfung beschleunigt, dann wird die Aufnahme all diese Substanzen verhindert. Bei der Anti-Baby-Pille bedeutet das: Ihre Wirkung - also der Schutz vor Empfängnis - ist nicht mehr voll gewährleistet.

Die Aufnahme von Zucker und Fruchtsäuren ist ungefährlich, kann aber zu unangenehmen Nebenwirkungen führen. Es handelt sich dabei um Laktulose, Laktitol und andere Zuckerarten,die vom menschlichen Dünndarm nicht gespalten werden können. Sie binden ebenfalls Wasser. Wenn jemand eine lange Darmpassage des Nahrungsbreies aufweist, dann ist die Wirkung gering, weil die Zuckerarten dann von den Bakterien des Darms gespalten werden. Außerdem muss unbedingt darauf hingewiesen werden: Es kommt bei sehr vielen Patienten zu störenden und schmerzhaften Gasbildungen und Blähungen.

Die hydragogen Laxantien müssen wieder in zwei Gruppen unterteilt werden. Da gibt es die schleimhautreizenden Mittel,die auch Anthrachinonderivate genannt werden. Und dann gibt es die Mittel ohne Reizung auf die Schleimhaut.Das sind die modernen Wirkstoffe Biscodyl und Natriumpicosulfat.