So gesund ist Sauerkraut

So gesund ist Sauerkraut

© Birgit Reitz-Hofmann - Fotolia.com

Früher war es neben der Kartoffel der Hauptpfeiler unserer Ernährung. Dann geriet das Sauerkraut als "Arme-Leute-Essen" in Vergessenheit. Jetzt ist es wieder groß im Kommen. Es steht das ganze Jahr fassfrisch zur Verfügung und ist einer unserer wichtigsten Vitaminträger, vor allem Vitamin C hat es in großen Mengen.

Sauerkraut ist die beste einheimische Naturarznei die wir haben. Ob gekocht, gedünstet, roh oder gebraten es versorgt uns mit vielen Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen. Wie Sie es selbst zubereiten können, warum es gut für Herz, Darm, Gehirn und Knochen ist, warum es auch die Liebeskraft stärkt.

Sauerkraut selber machen

Vielfach ist das Wetter daran schuld, dass jetzt schon wieder so viele Menschen erkältet sind. Da ist die Vitamin-C-Zufuhr ganz wichtig. Und ein klassischer Lieferant für Vitamin C ist ja das Sauerkraut. Doch das Kraut kann viel mehr. Es ist eine Naturarznei, ideal für die kalte Jahreszeit.

Man kann heimisches Sauerkraut im Reformhaus, aber auch im Supermarkt kaufen. Man kann es aber auch selbst herstellen. Das ist gar nicht so schwer. Und es hat den Vorteil , dass man ein besonders mildes Kraut zur Verfügung hat. Außerdem macht es Spaß, sein eigener Sauerkraut-Produzent zu sein.

Man schneidet frisches Weißkohl in feine Streifen, gibt diese in ein verschließbares Glas, am besten in ein Einweck-Glas, und drückt die Krautstreifen mit einem Holzlöffel fest zusammen, nachdem man Kümmel und Wacholderbeeren daruntergemischt hat. Ein Geheimtipp: Geben Sie zwei Esslöffel Brottrunk aus dem Reformhaus als Gärungshilfe dazu. Und füllen Sie das Glas mit abgekochtem, kaltem Wasser auf. Pro Liter Wasser geben Sie 15 Gramm Salz dazu. Schließen Sie das Glas und lassen sie es 4 Wochen stehen. Und dann haben Sie bereits ein mildes, schmackhaftes Sauerkraut. Man kann das Sauerkraut natürlich auch im großen Stil in einem kleinen Fass oder in einem großen Tongefäß ansetzen.

Es ist nicht gut, Sauerkraut aus dem Handel mit Wasser milder zu machen, wenn es zu salzig oder zu scharf schmeckt. Dabei wäscht man nämlich die wertvollen Wirkstoffe heraus.

Sauerkraut schützt vor Vitamin C-Mangel

Die Chinesen, Phönizier, später die Griechen und Römer kannten schon Sauerkraut. Der griechische Arzt Hippokrates hat seinen Patienten Sauerkraut als Stärkungsmittel verordnet. Bei den römischen Legionären war es ein Teil der Pflichtverpflegung. Captain Cook hat auf seinen Seereisen immer 60 Fässer Sauerkraut mit an Bord gehabt. Und es gab für die Matrosen Prügelstrafe, wenn einer sein tägliches Sauerkraut nicht aß. Man hat damals die Erfahrung gemacht: Wenn Matrosen auf ihren weiten Reisen Sauerkraut aßen, dann bekamen sie kein Skorbut. Die Zähne fielen ihnen nicht aus. Heute wissen wir: Das Sauerkraut schützte vor dem Vitamin-C-Mangel. Sein größte Bedeutung aber bekam das Sauerkraut im Laufe der Zeit als Naturarznei auf dem Land. Da konsumierte man es, damit die bäuerliche Familie gesund durch den Winter kommen konnte.

In Korea ist es heute noch üblich, dass in vielen Familien in der Küche immer ein Fässchen „ Kimchi“ – so nennt man dort das Sauerkraut – bereit steht. Man holt sich ein oder zweimal am Tag eine Gabel voll heraus und kaut das milchsaure Kraut intensiv.

Das Vitamin C ist natürlich nicht das einzig Wertvolle, das uns das Sauerkraut liefert. Da kommen noch viele andere Wirkstoffe zum Tragen:

Die gesunden Wirkstoffe im Sauerkraut

  • Durch Zugabe von Milchsäurebakterien beginnt die Gärung. Durch sie entsteht Milchsäure. Sie ist für die Gesundheit des gesamten Verdauungstraktes wichtig. Sie fördert die Bildung positiver Darmbakterien – Darmflora genannt - , stärkt die Immunkraft im Darm, neutralisiert Gärstoffe. Darum hat Pfarrer Kneipp das Sauerkraut auch den „Besen des Darmes“ genannt.
  • Sauerkraut ist reich am Vitamin B 12. Dieses Vitamin ist eminent wichtig für geistige Frische, für gute Laune, Vitalität, für Stressbewältigung, für den Aufbau der roten Blutkörperchen, für den Knochenbau und den Herzmuskel. B 12 tankt man normalerweise aus Fleisch und findet es sonst nicht in sehr vielen Lebensmitteln. Zu diesen seltenen Lebensmitteln zählt das Sauerkraut. Das ist eine wichtige Erkenntnis für den Vegetarier
  • Sauerkraut versorgt uns mit Vitamin B 6 für die Eiweiß-Verarbeitung, mit B 3 für den Gehirnstoffwechsel.
  • Im Sauerkraut ist auch reichlich Folsäure enthalten.
  • Speziell diese B-Vitamine - B 6, B 12 und Folsäure - machen das Sauerkraut so wichtig gegen zu hohe Homocystein –Werte. Homocystein ist eine aggressive Aminosäure, die unsere Gefäße und das Herz bedroht, wenn man zuviel Fleisch und zu wenig Gemüse isst.
  • Da im Sauerkraut auch Zink und Magnesium zu finden sind, ist es ein herrlicher Ausgleich für alle, die sich sonst nicht sehr vollwertig ernähren.
  • Das Acetyl-Cholin im Sauerkraut wirkt beruhigend auf das vegetative Nervensystem. Mit einer 3-Monate-Kur haben Nervenärzte in Deutschland bereits Menschen mit starker Nervosität und depressiven Verstimmungen helfen können.

Und das kann man gezielt mit Sauerkraut für die Gesundheit tun:

  • Wer regelmäßig Sauerkraut ißt, wirkt vitaler, frischer, hat bessere Laune.
  • Man wird widerstandsfähiger gegenüber Streß-Situationen.
  • Die Qualität des Blutes wird besser. Der Eisenhaushalt wird verbessert.
  • Auch die Cholesterinwerte können verbessert werden.
  • Das Immunsystem gegen Erkältungen wird maßgeblich gestärkt.
  • Die Spurenelemente Zink und Molybdän stärken die Liebeskraft .
  • Rheuma-Beschwerden können gelindert werden, weil das Sauerkraut hilft, Ablagerungen von Säurekristallen in den Gelenken zu verhindern.
  • Vor ein paar Jahren hat eine Studie von finnischen Forschern etwas absolut Neues entdeckt: Sauerkraut schützt uns in gewißer Weise vor Krebs. Man hat im Sauerkraut neue Substanzen gefunden: die sogenannten Isothiocyanate. Sie entstehen beim Vergären des Krautes. Sie senken das Krebsrisiko. Und zwar haben sie eine hemmende Wirkung auf das Wachstum von Tumoren in der Brust, in Darm, in Lunge und Leber.

Der Wirkmechanismus dieser Substanzen ist so faszinierend, dass amerikanische Forscher bereits daran arbeiten, den Gärungsprozess beim Sauerkraut so zu beeinflussen und zu verbessern , damit dabei noch mehr Isothiocyanate produziert werden.

100 bis 150 g am Tag genügen

Die Frage ist nun: Wie viel Sauerkraut muss ich denn so essen, damit ich eine medizinische Wirkung erreiche? Die Ernährungswissenschaft gibt vor: 100 bis 150 Gramm pro Tag. Das sind etwa 2 bis 3 gehäufte Gabeln voll. Wichtig ist auch, dass man das Sauerkraut sehr gut und intensiv kaut. Auch Diabetiker dürfen Sauerkraut essen. Es handelt sich um eine sogenannte „freie“ Gemüsesorte, die den Diabetiker überhaupt nicht belastet. Wenn man Sauerkraut für die Gesundheit konsumiert, dann sollte es in rohem Zustand sein. Und man sollte darauf achten, dass keine chemischen Zusätze zur Herstellung verwendet wurden.

 

Wichtig ist auch: Wer regelmäßig Sauerkraut isst, sollte salziges Essen meiden, weil im Sauerkraut viel Salz enthalten ist. Damit der Körper nicht zuviel davon abbekommt.

 

Und wenn man Sauerkraut zubereitet, dann sollte man es nicht länger als 20 bis 25 Minuten sanft köcheln lassen. Sonst wird es weich und inhaltlos. Und es schmeckt besonders gut , wenn man vor dem Servieren ein paar Tropfen Olivenöl darauf gibt. Dazu mein persönlicher Tipp: Geben Sie auf das gekochte Sauerkraut eine kleine Gabel voll feingehacktes rohes Kraut obendrauf. Dann ist das Ganze besonders gesund.

 

Zwei gesunde Rezepte

Sauerkraut mit Schärfe

Zutaten für 4 Personen
Ca. ein Kilo Sauerkraut, 3 Zwiebeln, 2 rote Paprikaschoten, 3 El. Olivenöl, 1 gehäufter EL Paprikapulver (edelsüß) edelsüß, eine Knoblauchzehe, eine kleine Chilischote, Wacholder, ein Lorbeerblatt, 250 g durchwachsenen Räucherspeck, ein halber Liter Hühnerbrühe, eine gehäufte Messerspitze Kümmel.

Zubereitung:
Zwiebeln und Paprika putzen, würfeln. Knoblauchzehe schälen und zerdrücken. Öl in einem gusseisernen Topf erhitzen und die Zwiebelwürfel darin hell andünsten. Knoblauch, Sauerkraut, Paprikawürfel und -pulver, Speck, Brühe und Kümmel zugeben und bei schwacher Hitze ca. 60 Minuten garen. Dann den Speck in scheiben schneiden und zu dem Gericht servieren. Nach Geschmack mit etwas Salz nachwürzen. Dazu gedämpfte Kartoffeln oder Kartoffelbrei.

Gebratenes Sauerkraut

Zutaten für 4 Personen:
Ein Kilo Weinsauerkraut, abgetropft, 125 g gewürfelter Schinken, eine große Zwiebel (grob würfeln), etwas Butter, oder Margarine, 3 EL Zucker, eine Messerspitze Kümmel, fünf Wacholderbeeren, ein Lorbeerblatt.

Zubereitung:
Den Schinken in einer beschichteten Pfanne Den Schinken ohne zusätzliches Fett anbraten. Hat sich das Bratenfett in der Pfanne etwas abgesetzt, die Zwiebelwürfel hinzugeben und kurz braten (anbräunen lassen). Das abgetropfte Weinsauerkraut in die Pfanne geben und scharf anbraten. Aufpassen, dass es sich nicht setzt und anbrennt. Deshalb ab und zu ein wenig Butter oder Margarine dazu geben. Ist das ganze Sauerkraut braun, den Zucker nach Geschmack zugeben und alles noch mal gut durchrühren. Eignet sich als Beilage zu Bratwurst und Kassler.