Keime und Sprossen selber ziehen

Keime und Sprossen selber ziehen

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Speziell in der kalten Jahreszeit – noch dazu so kurz vor den Feiertagen - ist es wichtig, daß wir uns regelmäßig mit reichlich Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und Enzymen versorgen. Eine ideale Möglichkeit dafür bietet ein ganz spezielles Gemüse: Keime und Sprossen, die man selbst in der Küche produzieren kann.

Keime und Sprossen sind das sauberste Gemüse

Das ist keine moderne Methode der Bio-Ernährung. Das haben die Menschen seit jeher gemacht. Schon vor rund 5000 Jahren hat man in China Sojabohnen in Form von Sprossen gegessen. Und es gibt zahllose Geschichten aus vergangener Zeit, dass Keimlinge Menschen vor dem Verhungern gerettet haben. Da gibt es die Legende von Schiffbrüchigen auf dem Jangtse-kiang, die nur einen Sack mit nassem, verdorbenem Korn bei sich hatten. Als es zu keimen begann, verfügten sie über eine Nahrung von besonderem Wert.

Interessant ist, dass Keime und Sprossen wieder ganz besonders hohes Ansehen durch die Atomkatastrophe von Tschernobyl bekommen haben. Unsere Böden waren verseucht. Monatelang durfte man kein frisches Gemüse essen. Da bot es sich an, wieder eine Keimbox zu aktivieren. In unserer umweltbelasteten Zeit sind die Keime und Sprossen das sauberste „Gemüse“, das uns Vitalität und Fitness spendet.

Viel mehr Vitamine als "normales" Gemüse

Warum sind Keime und Sprossen so besonders wertvoll ? Warum haben sie so viele, intensive Inhaltsstoffe? Das ist eigentlich ganz logisch. In den winzig kleinen Samen schlummert viel Kraft und Energie und wartet auf den Tag X, wenn aus diesen Samenkörnern oder Hülsenfrüchten neues Leben entstehen soll. Da wird das Heranwachsen einer neuen Pflanze vorbereitet. Und dazu werden alle Reserven mobilisiert. Man muss sich das vorstellen: Der Vitamin-C-Gehalt in einem Luzerne-Samen steigt in den ersten 72 Stunden des Keimens um 500 Prozent. Der Gehalt an Betacarotin um 300 Prozent. Der Vitamin -C-Gehalt eines keimenden Hafers steigt um 600 Prozent. Und wenn nun so ein Korn - durch die Arbeit von Enzymen - all seine Superkräfte entfaltet hat, dann greifen wir Menschen zu und verzehren es. Und damit tanken wir gigantische Kräfte, wie wir sie in einem landläufigen Gemüse – etwa aus einem Treibhaus -gar nicht vorfinden können.

Was Sie keimen können

Die Frage ist nun: Was kann man denn nun alles keimen? Es lässt sich fast alles keimen. Jeder lebende Samen. Aber am meisten bewährt haben sich folgende Möglichkeiten:

  • Weizenkeime: Sie liefern uns die wertvollen B-Vitamine sowie Magnesium und stärken unsere Nerven.
  • Linsensprossen: Schmecken besonders gut. Sie versorgen uns mit Vitamin E, C, mit Phosphor und Eisen.
  • Die Sprossen der grünen, kleinen Sojabohne liefern viel Calcium für die Knochen, Phosphor fürs Gehirn und Eisen fürs Blut. Aber auch Vitamin A und C.
  • Kichererbsen als Sprossen haben reichlich Magnesium, Kalium, die Vitamine D und E.
  • Kresse-Sprossen liefern Jod und Vitamin C, stärken die gesunde Schilddrüse.
  • Die Keimlinge von Sonnenblumenkernen liefern uns Zink und Vitamin E für unsere Immunkraft.
  • Kürbiskern-Sprossen haben reichlich ungesättigte Fettsäuren, die Herz und Kreislauf stärken.

Das sind nur ein paar Beispiele. Man muss wissen: Alle Keime und Sprossen sind kleine Wunder der Natur, die uns viel Kraft geben und viel hochwertiges Eiweiß liefern. Jede Keim- und Sprossen-Art hat ihren typischen, ureigenen Geschmack. Aber grundsätzlich haben alle - mit Ausnahme der Kresse - ein etwas nußiges Aroma.

So können Sie Keime und Sprossen ziehen

Wie kann man nun selbst Keime und Sprossen in der Küche ziehen? Es ist ganz einfach, diese kleinen Lebenselixiere herzustellen. Man braucht dazu nur einen Teller, ein Einmach-Glas, eine Schüssel oder eine Kunststoff-Keimbox aus dem Reformhaus. In so einer Keimbox geht es am einfachsten. Die Samen und Hülsenfrüchte dürfen ja nicht nass, sondern bloß feucht sein. Daher muss man das Wasser, mit dem man gießt, aus dem Teller, der Schüssel oder dem Glas immer wieder ausleeren. Aus der Keimbox fließt es automatisch ab.

Und so wird es gemacht:

  • Zuerst muss man sich aus dem Reformhaus keimfähige, lebende Samen , Getreidekörner oder Hülsenfrüchte besorgen: Weizen, Hafer, Linsen, Sojabohnen, Alfalfa-Samen, Kichererbsen, Kresse-Samen. Dann kann es losgehen:
  • Bevor man nun mit dem eigentlichen Keimen beginnt, Müssen die Samen und Körner bei Zimmer-Temperatur in kaltem Wasser vorgeweicht werden. Die großen Körner und Hülsenfrüchte 12 Stunden, die kleinen Samen 6 Stunden.
  • Danach wäscht man die Samen und Körner unter fließendem Wasser in einem Sieb und legt sie nun in einem breiten Gefäss auf, oder eben man verteilt sie in die Etagen des Keim-Apparates. Das Reizvolle dabei: Man kann in jeder Etage eine andere Keimlings-Art ansetzen.
  • Jetzt beginnt das Keimen, das genau überwacht werden muss. Es dauert im Durchschnitt 4 bis 5 Tage. Dann haben die Keime und Sprossen die meisten wertvollen Inhaltsstoffe in sich entwickelt. Bis dahin muss man jeden Tag zweimal - nämlich morgens und abends - die Samen, Körner oder Hülsenfrüchte mit frischem Wasser gießen. Im Keimapparat rinnt das Wasser ab. In anderen Gefäßen muss es wieder abgegossen werden.
  • Die ideale Temperatur zum Keimen ist eine Zimmertemperatur von 22 bis 24 Grad Celsius. Da funktioniert es am besten. Die ersten beiden Tage sollten Keime und Sprossen im Dunkeln stehen. Dann holt man sie ins Licht, damit sie auch immunstärkendes Chlorophyll bilden. Die grüne Farbe st ein wertvoller Bioaktivstoff.
  • Und so wird am 4. oder 5.Tag geerntet : Die Keime und Sprossen mitsamt den Körnern und Samen, die daran hängen, werden aus der Keim-Box herausgenommen. Man darf sie auf keinen Fall gleich so essen oder kosten. Es könnten Bakterien oder winzigkleine Pilze daran beim feuchten Keim-Vorgang entstanden sein, die für den menschlichen Organismus nicht gesund sind. Daher: Wieder in ein Sieb geben und unter fließendem Wasser gründlich waschen.
  • Jetzt sind sie essfertig. Ein Stück unverfälschte Natur von ungeheurem Vitalstoff-Wert. Eine Bereicherung für unseren Organismus, speziell in den Wintermonaten.

So schmecken Keime und Sprossen gut

Man kann die Sprossen und Keime gleich so essen, wie sie gewaschen aus dem Keim-Apparat kommen. Man kann aber auch einen Salat damit garnieren. Man kann aus dem Keimen und Sprossen selbst einen zarten, köstlichen Salat anrichten. Man kann sie in ein Omelette einschlagen. Man kann sie in einen Becher mit Joghurt rühren und essen. Man kann sie aufs Butterbrot legen, ins Müsli streuen. In jeder Form schmecken Keime und Sprossen köstlich.

Diese Keime und Sprossen haben mehr gesunde Inhaltsstoffe als normales Gemüse. Zwei gehäufte Esslöffel frische Weizenkeime liefern 66 Milligramm Magnesium. Ein Kopfsalat hingegen nur 22 Milligramm Magnesium, und auch das nur, wenn er ganz frisch ist. Ein gigantischer Unterschied, der den Wert von Keimen und Sprossen zeigt.