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Harninkontinenz: Ursachen und Heilung

Harninkontinenz - die Krankheit über die man nicht spricht. Noch immer schweigen Millionen Menschen schamhaft über ihr Problem. Leiden, meiden die Öffentlichkeit. Betroffen sind Junge und Alte, Frauen und Männer. Ich möchte Sie über die Harninkontinenz aufklären, Ihnen sagen, was hilft.

Sonstiges - Harninkontinenz: Ursachen und Heilung Foto:© Printemps - Fotolia.com
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Drang- oder Urge-Inkontinenz

Das ist die häufigste Harninkontinenzform bei Männern. Auch hier   kommt es zu einem unfreiwilligen Harnverlust. Bei der leichten Form verspürt der Kranke einen verstärkten Drang zum Wasserlassen – aber er schafft es noch in den meisten Fällen. Bei der schweren Form ist es nicht möglich, den Harn zu halten – es beginnt zu „tröpfeln“. Dabei ist die Harnblase nicht vollständig gefüllt. Hier liegt eine „Störung“ vor, das Gehirn erhält das Signal: „Die Blase ist voll.“ Ist sie aber nicht. Dennoch bekommt die Muskulatur den Befehl: „Entleeren.“ Sie zieht sich zusammen, der Druck in der Harnblase steigt, das Wasser kann nicht mehr gehalten werden. Ursache für diese Dranginkontinenz sind sehr häufig Blasenerkrankungen, eine Schädigung des Blasenmuskels, Erkrankungen des Gehirns wie Alzheimer oder Zerebralsklerose. Auch die Wirbelsäule oder die Bandscheiben können schuld sein. Es gibt noch eine Sonderform: die Kicherinkontinenz. Sie tritt vor allem bei Kindern auf: Bei anhaltendem Lachen kommt es zu spontanem Harnverlust.

Das wird Ihnen helfen

Der Gang zum Arzt. Muskeltraining, vor dem Schwimmen, nach der Sauna Blase entleeren. Gewöhnen Sie sich an, jedesmal, bevor Sie aus dem Haus gehen, die Toilette zu benutzen. Das sollte man auch mit Kindern trainieren. Machen Sie einmal im Jahr eine dreiwöchige Kur mit einem Basenpulver aus der Apotheke oder dem Reformhaus. Checken Sie Ihren Rücken durch. Auf jeden Fall müssen Sie die Rückenmuskulatur durch Gymnastik stärken.

Belastungs- und Stressinkontinenz

Das ist die häufigste Form der Harninkontinenz. Sie tritt am häufigsten bei Frauen auf. Das Wort Stress bedeutet in diesem Fall einen erhöhten Druck im Bauchraum. Die Harnblase funktioniert einwandfrei, jedoch gibt es einen Defekt des Harnröhrenverschlusses.
Durch körperliche Anstrengung wie schweres Tragen, Lachen, Niesen, Treppensteigen spannen sich die Bauchmuskeln an. Für einen gesunden Schließmuskel ist das kein Problem. Wenn aber aber die Beckenbodenmuskulatur geschwächt ist, kann die Druckzunahme nicht aufgefangen werden. Der Urin findet ungewollt den Weg nach außen. Das passiert nach mehreren Geburten, bei Bindegewebsschwäche oder Übergewicht. Oder durch altersbedingte Schwächung der Beckenbodenmuskulatur.

Das wird Ihnen bei Stressinkontinenz helfen

Sie müssen mit dem Arzt sprechen. Helfen wird ein gezieltes Beckenbodentraining. Bauen Sie unbedingt Gewicht ab. Achten Sie auf regelmäßigen Stuhlgang, damit die Beckenbodenmuskulatur nicht zu sehr belastet wird. Verzichten Sie auf Bohnenkaffee, stark kohlensäurehaltige Getränke, schwarzen Tee und Alkohol in jeder Form – denn sie verstärken die Harnproduktion. Versuchen Sie, den Urinabgang zu kontrollieren, sodass Sie in regelmäßigen Abständen zur Toilette gehen können. Vor dem Schwimmen und nach der Sauna sollten Sie Ihre Blase entleeren. Halten Sie den Unterleib warm, Kälte reizt die Blase.

Überlaufinkontinenz

Sie führt auch ohne Stress zum ständigen Abgang von kleinen Mengen Urin. Die Harnblase kann aber nicht vollständig geleert werden. Mögliche Ursachen sind eine Verengung der Harnröhre, beim Mann eine Vergrößerung der Prostata, eine Schädigung der Blasenmuskulatur oder Nervenschädigungen. Überlaufinkontinenz kann aber auch als Begleit- oder Folgeerscheinung von Diabetes Mellitus, Alkoholmissbrauch oder seelischem Druck – wenn der Kranke aus Angst, Kummer oder in einer depressiven Stimmung den Harn zurückhält – auftreten. Dieser ständige Urinabgang kann sehr lästig werden, weil er natürlich auf Dauer zu Hautreizungen im Genitalbereich führt. Davon sind Frauen und Männer gleichermaßen betroffen.

Das wird Ihnen bei Überlaufinkontinenz helfen

Auch in diesem Fall müssen Sie mit dem Arzt sprechen. Versuchen Sie nicht, sich im Alleingang ein falsches Verhalten anzutrainieren – das reizt die Blase noch mehr. Oft werde ich gefragt: „Wie oft ist Wasserlassen normal?“ Da gibt es eine einfache Faustregel: Wenn Sie täglich etwa zwei Liter Flüssigkeit aufnehmen, dann sollten Sie nicht öfter als höchstens sechsmal die Toilette aufsuchen müssen. Führen Sie ein Blasenentleerungsprotokoll: Halten Sie schriftlich fest, was und wie viel Sie trinken und wann Sie auf die Toilette gehen. Ermitteln Sie mit Hilfe eines Messbechers, wie viel Wasser Sie lassen. 300 bis 400 Milliliter pro Blasenentleerung sind normal. Sind es nur 1-200 Milliliter, dann kam der Reiz zu früh. Sie erkennen an Hand Ihrer Aufzeichnungen, wie Ihr Toilettenverhalten ist. Das kann dem Arzt bei der Diagnose sehr helfen.

Reflexinkontinenz

Diese Art der Harninkontinenz kommt Gott sei Dank recht selten vor. Hierbei kann die Harnblase nicht mehr bewusst gesteuert werden. Sie entleert sich reflexartig und plötzlich – auch dann, wenn der/die Betroffene nur wenig Urin in der Harnblase hat. Die Kranken spüren auch gar keinen normalen Harndrang. Es passiert einfach. Meist ist die Reflexinkontinenz darauf zurückzuführen, dass die Nervenleitung von der Blase zum Gehirn gestört ist: Es werden keine oder die falschen Informationen übertragen. Zu einer Unterbrechung der Nervenbahnen kann es durch Rückenmarksbeschädigungen, eine Querschnittslähmung infolge eines Unfalls, multiple Sklerose oder einen Tumor kommen.

Das wird Ihnen helfen

Falls die Betroffenen nicht sowieso schon in ärztlicher Behandlung sind, dann muss beim ersten Auftreten dieser Form der Harninkontinenz sofort ein Arzt aufgesucht werden. Hier kann niemand mit so genannten „Hausmitteln“ helfen, hier ist ärztlicher Rat angebracht. Helfen kann eine Operation oder eine medikamentöse Behandlung. In schweren Fällen muss ein Katheter gelegt werden. Aber – man kann die Blase beruhigen. Solche Patienten müssen sich säurearm ernähren. Das bedeutet, dass sie Süßigkeiten, Schokolade oder Pralinen meiden müssen. Dass sie von Weißmehlprodukten oder geschältem Reis Abstand nehmen müssen. Ebenfalls von Alkohol, Bohnenkaffee und Mineralwasser mit Kohlensäure. Eine solche Erkrankung ist immer eine schwere psychische Belastung für den Kranken und für seine Umgebung. Man muss lernen,wie man mit dieser schweren Form der Harninkontinenz umgeht. Ganz sicher kann der behandelnde Arzt Ihnen die Adresse von Selbsthilfegruppe geben. Alleine wird man kaum mit den Belastungen fertig.

Bettnässen

Hier unterscheidet man zwischen primärem und sekundärem Bettnässen. Die primäre Form liegt vor, wenn der Betroffene seit seiner Geburt nie länger als sechs Monate „trocken“ gewesen ist – also ein chronischer Bettnässer. Schuld daran ist eine Reifeverzögerung beim heranwachsenden Menschen, weil das Hormon Vasopressin, das den Wasserhaushalt reguliert, noch nicht ausreichend vorhanden ist. Deshalb kann die Blase nachts nicht richtig kontrolliert werden. Die sekundäre Form liegt vor, wenn es nach einem trockenen Zeitraum von sechs Monaten oder länger erneut zum Bettnässen kommt. In diesem Fallespielen seelische Belastungen eine große Rolle. Hier ist eine psychologische oder psychotherapeutische Behandlung in den meisten Fällen hilfreich.

Das wird Ihnen helfen

Auch hier sollte man einen Arzt konsultieren. Gegen diese Form des Bettnässens gibt es eine  Menge Tricks, mit denen sich Betroffene helfen können. Am Abend wenig trinken, auf keinen Fall Kaffee oder Bier – beide entwässern den Körper. Das gilt auch für Kaffee. Obwohl jetzt Spargelzeit ist – keine Spargelgerichte vor dem Schlafengehen. Kontrollieren Sie alle Ihre Medikamente, ob diese entwässernde Nebenwirkungen haben. Wenn ja – dann ersetzen. Trainieren Sie sich ein geregeltes Toilettenverhalten an. Beginnen Sie nachts, sich im Zweistundenrhythmus aufwecken zu lassen und zur Toilette zu gehen. Verlängern Sie diesen Zweistundenrhythmus immer mehr, bis Sie vier oder fünf Stunden durchschlafen können. Ermitteln Sie die Ursachen Ihrer seelischen Probleme und beseitigen Sie diese.

Die Auslöser der Harninkontinenz

Das Leiden kann viele Ursachen haben:Entzündungen im Körper, hormonelle Veränderungen, bedingt durch die Wechseljahre, Veränderungen der Prostata beim Mann, Verletzungen durch Unfälle, die Einnahme bestimmter Medikamente. Auch seelische Belastungen und Problemekönnen die Krankheit verschlimmern oder auslösen. Auch eine Schwangerschaft, die Geburt eines Kindes, eine Unterleibsoperation oder Raucherhusten können Ursache für eine Harninkontinenz sein. Außerdem sind Menschen mit zunehmendem Alter gefährdet (Alzheimer, Demenz, Zuckerkrankheit) etc.

Das wird Ihnen helfen

Vermeiden Sie kalte Füße – sie schaden der Blasenfunktion. Kauen Sie regelmäßig grüne, weichschalige Kürbiskerne aus Apotheke oder Reformhaus. Sie enthalten pflanzliche Hormonstoffe, mit denen Sie die Blase stärken. Es wird angenommen, dass Harninkontinenz u. a. durch eine Störung im Hormonhaushalt der Frau verursacht wird. Das Verhältnis zwischen Östrogenen und Androgenen ist verändert, mit einer charakteristischen Schwächung von Verschlussapparat und Beckenboden. Durch die Zufuhr eines lipidfreien Extrakts aus den Kernen des Ölkürbisses wurde eine Erhöhung des Testosteronspiegels und damit eine Stärkung der Blasen- und Beckenmuskulatur erreicht. Generell kann ich nur sagen: Nehmen Sie in jedem Fallärztliche Hilfe in Anspruch, denn 80 bis 90 Prozent der Patienten geht es nach einer Therapie wesentlich besser. Es gibt bei dieser verschwiegenen Krankheit sehr viele Therapiemöglichkeiten, konservative und alternative. Sie können also aussuchen.

Harninkontinenz ist auch Männersache

Ich habe es schon einige Male angesprochen: Das Thema Harninkontinenz betrifft auch die Männer. Es lohnt sich also, mit dem Partner darüber zu sprechen. Risikofaktoren bei Männern in jedem Alter sind Übergewicht, Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum. Schon junge Männer leiden an einer harmlosen Form der Harninkontinenz, dem „Nachtröpfeln.“ Das entsteht meistens als Folge einer oft gar nicht bemerkten – oder verschwiegenen – Prostataentzündung. Das ist also ein Warnsignal, das man nicht unbeachtet lassen sollte. Oft verengt auch die vergrößerte Prostata die Harnröhre. Die Harnblase beginnt zu träufeln, der Harnfluss wird gebremst. Er muss dann sehr oft. Dieses Problem verstärkt sich mit zunehmendem Alter. Jeder dritte Mann ab 55 hat Beschwerden beim Wasserlassen. Der Harndrang kann auch entstehen, weil die vergrößerte Prostata gegen die Blase drückt. Diese kann sich unbeabsichtigt zusammenziehen und eine Dranginkontinenz auslösen. Auch nach einer Prostataoperation kann es zu einer leichten Blasenschwäche kommen.

Das wird ihm helfen

Unbedingt der Gang zum Arzt. Eine  vernünftige Lebensführung, keine Alkoholexzesse, kein Nikotin, viel Sport treiben. Ab 40 Jahren empfehle ich eine regelmäßige Prostata-Untersuchung. Eine Kur mit Brottrunk über mehrere Monate hinweg. Die hilft der Prostata und bekämpft schädliche Bakterien im Urin. 

 

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