Blutegeltherapie

Blutegeltherapie

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Blutegel, bäh, was ist denn das Fieses? So denken die meisten Menschen. Falsch. In der Naturmedizin spielen die kleinen Würmer eine immer größere Rolle. Sie werden mit großem Erfolg bei einer Blutegeltherapie eingesetzt. Zum Beispiel bei Durchblutungsstörungen, Rheuma, Entzündungen und Schmerzen. Wie das funktioniert, was da im Körper vorgeht, wie die Anwendung in der Praxis aussieht.

Blutegeltherapie: Sekret ist die Naturheilkraft

Wenn man sich bei Heilpraktikern und bei Ärzten der Naturmedizin umhört, kann man deutlich erkennen: Eine 2.000 Jahre alte Behandlungs-Tradition feiert ein großes Comeback. Das ist der Einsatz von Blutegeln innerhalb einer Blutegeltherapie. Einfach und erfolgreich: Die wenige Zentimeter langen Blutegel beißen zu, sondern dabei ein Sekret ab und haben damit einen großen Einfluss auf die Gesundheit des Menschen. Sie sorgen dafür, dass das Blut in den Gefäßen nicht verklumpt. Sie erweitern die Blutgefäße, können Entzündungen unterbinden und Schmerzen lindern. In den meisten Fällen werden Blutegel heute erfolgreich eingesetzt, wenn es darum geht, Durchblutungsstörungen, Krampfadern und rheumatische Erkrankungen zu behandeln.

Blutegeltherapie: Schon für 2 000 Jahren bekannt

Zugegeben: Die Entscheidung für eine Blutegeltherapie ist etwas gewöhnungsbedürftig. Wenn der Patient aber einmal die ersten Hemmungen überwunden hat, dann kommt es meist zu einer positiven Einstellung. Das Ansetzen von Blutegeln gehört zu den ältesten ausleitenden Verfahren. In Indien hat man schon viele Jahrhunderte vor Christi Geburt mit Blutegeln gearbeitet. In Europa hat man etwa 200 vor Christi Geburt begonnen, mit Blutegeln Entzündungen des Rippenfells zu behandeln. Man hat aber auch Migräne, Depressionen und Venenleiden damit therapiert. Im 19. Jahrhundert geriet die Blutegeltherapi vielfach in Vergessenheit. Heute werden in Mitteleuropa jährlich bereits wieder bis zu 400.000 Blutegel therapeutisch angewendet. Und zwar setzt man einen ganz speziellen Blutegel ein: den Hirudo medicinalis. Es handelt sich dabei um einen Verwandten des Regenwurms. Man spricht auch vom medizinischen Blutegel, der etwa 2 bis 4 Zentimeter lang ist, dunkelgrün bis schwarz. Besonderes Kennzeichen: Er hat an beiden Körperenden Saugnäpfe.

Blutegelbehandlung in der Praxis

Vor allem Frauen leiden oft jahrelang an Durchblutungsstörungen und an einer Bindegewebsschwäche. Die Folge: Die Venen werden schwach, dehnen sich und bilden Krampfadern. Dadurch versackt das Blut in den Venen und kann nicht zum Herzen zurückfließen. Auf Grund des Rückstaus, leiden nicht nur die Gefäße, sondern auch die Haut, weil sie nicht optimal durchblutet, also mangelhaft mit frischem Blut versorgt wird. Das bedeutet: Es kommen zu wenig Nährstoffe an die Haut. Außerdem kann sich durch den Rückstau der mit Eisen angereicherte Blutfarbstoff in der bereits geschädigten Haut ablagern. Es entstehen braune Flecken, die nicht nur hässlich sind, sondern auch alt machen. Die entzündeten Stellen auf der Haut können aufbrechen. Die Wunden heilen nur schwer. Das führt sehr oft zu unerträglichen Schmerzen.

Wie können in so einer Situation die Blutegeltherapie helfen? Die Tierchen werden natürlich nicht an der offenen Wunde plaziert, aber im Umkreis der betroffenen Hautstellen. Die Blutegel zögern meist und beißen nicht gleich zu. Sie benötigen 5 bis 30 Minuten, bis sie sich dann festsetzen. Viele Menschen haben Angst vor diesem Zubeißen. Das ist unbegründet: Man verspürt nur ein leichtes Ziehen oder Stechen.

Blutegel lösen Blutgerinsel auf

Von diesem Augenblick an arbeiten die Blutegel als Naturarznei. Sie geben ein spezielles Sekret in die Blutbahn ab, das eine Reihe verschiedener Substanzen enthält. Und damit werden Heileffekte ausgelöst: Die Blutgerinnung wird gebremst und gehemmt.

  • Das dünne Blut kann besser und schneller durch die Gefäße fließen.
  • Kleinste Blutgerinsel können aufgelöst werden.
  • Die Blutgefäße weiten sich, werden elastisch. Dadurch sinkt der Blutdruck.
  • Und da das Sekret Substanzen gegen Entzündungen und gegen Schmerzen enthält, ist ein spürbarer Behandlungserfolg vorhanden.

Ein Blutegel saugt in der Regel eine Stunde lang Menschenblut auf. Etwa 3 bis 7 Milliliter. Das kommt auf seine Größe an. Dann hat er genug und läßt sich fallen. Das heißt: Man kann ihn leicht wegnehmen. Der Patient darf nicht erschrecken: Aus der kleinen, dreizackigen Bisswunde des Tieres blutet es noch einige Zeit weiter. Das ist die Folge des Sekretes. Und das ist auch bei der Blutegeltherapie erwünscht. Man könnte es einen sanften, kleinen "Aderlaß" nennen. Auf diese Weise können gesundheitsschädliche Substanzen, Schadstoffe und Gifte abfließen. Viele Ärzte sind der Meinung, dass dabei auch Ablagerungen in den Gefäßen reduziert und abgebaut werden können. Dazu fehlen allerdings entsprechende Studien. Wenn für eine Behandlung etwa ein halber Liter Blut abgeführt werden soll,dann muss der Heilpraktiker oder Naturheilarzt etwa 30 Blutegeln beim Patienten ansetzen. Während dieser Behandlung muss unentwegt - alle paar Minuten - der Blutdruck gemessen werden.

Blutegel verschönern die Haut

Die kleinen Bisswunden müssen dann mit einem Desinfektionemittel versorgt werden. Danach wird ein Druckverband angelegt. Das muss einige Tage lang weiter gemacht werden. Das bedeutet: Desinfektion und ein neuer Druckverband. 

Damit ist die Blutegeltherapie aber nicht zuende. Sie muß innerhalb von 18 Monaten noch 3 mal wiederholt werden. Dabei werden aber weniger Blutegel angesetzt: höchstens 15. Wichtig: Jeder Blutegel wird nur einmal zur Therapie verwendet.

Die Erfolge der Blutegeltherapie

Es gibt zu dieser Blutegelbehandlung viele Erfolgsmeldungen: 

  • Die Wunden heilen zu. Die Haut wird wieder schön. Die Durchblutung
  • funktioniert wieder. Die Schmerzen sind weg.Blutegel werden auch mit Erfolg bei Wasseransammlungen im Körper, bei Thrombosen, Gefäßverkalkung, bei chronischen Wunden, ja sogar bei Tinnitus und bei Rheumaschmerzen eingesetzt.

Es zeigt sich, dass viele Menschen einen gewissen Ekel vor einer solchen Blutegltherapie haben und sich daher erst dann zu dieser Behandlung entschließen, wenn viele andere Therapien zu keinem Erfolg geführt haben. Man muss allerdings auch wissen: Bei starken Gerinnungsstörungen, Bluterkrankungen, Diabetes sollte man von der Blutegel-Therapie Abstand nehmen. Auch bei Histamin-Unverträglichkeit und bei der Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten.

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