Lärm - eines der ganz grossen Übel unserer Zeit. Und eine grosse Gefahr für Ihre Gesundheit. Der Satz "Lärm - höre ich schon gar nicht mehr, ich habe mich daran gewöhnt", ist eine totale Kapitulation. Die darf nicht geschehen, denn Lärm macht krank. Wie schlimm die Situation schon ist, was Lärm alles anrichten kann, wie sich selbst testen können.
Wir werden ein Volk von Schwerhörigen
Vuzuelas, die Ohrenqual aus Südafrika, haben wir nicht bei uns. Dafür haben wir: Strassenlärm, eine ständige Lärmberieselung, Mega-Krach in Discos und Pop-Konzerten, Maschinenlärm, MP3-Player und Kopfhörer. Das alles kann genau so viel Schaden anrichten wie die schrecklichen Tröten in den WM-Stadien. Ohrenspezialist Dr. Lutz Wilden vom Forum "Das gesunde Ohr" über diese Probleme: "So langsam werden wir ein Volk von Schwerhörigen, 14 Millionen Bundesbürger leiden bereits an Hörproblemen. Die Tendenz ist steigend." Besonders schlimm: Schon jeder zehnte Jugendliche hat Probleme mit seinem Ohr.
Eine Studienauswertung im Forschungsverbund Lärm & Gesundheit im Auftrag der WHO belegt: Bei Menschen, die durch Lärmbelästigung unter Schlafstörungen leiden, steigt das Risiko für Allergien, Herz- und Kreislauferkrankungen, Bluthochdruck und Migräne erheblich. Neben dem Sehen ist das Hören ein weiteres wichtiges Sinnesorgan, denn das Gehör ist für unser soziales Miteinander unerlässlich.
Was ist eigentlich Lärm, welche Abstufungen gibt es da?
Die Schmerzgrenze für unsere Ohren liegt bei 120 Dezibel, aber auch Straßenlärm mit rund 80 Dezibel kann auf Dauer krank machen. Lautstärke: 1 Dezibel ist die Hörschwelle - der Mensch kann Geräusche wahrnehmen.
Lärm kostet jährlich 50 Milliarden EURO
Bereits niedrige und mittlere Lärmpegel führen zu einer Veränderung der Schlaftiefe, ohne daß der Betroffene aufwacht. Derartige Schlafstörungen beeinträchtigen die Erholung und können zu chronischer Ermattung führen. Die Folge: eingeschränkte Leistungsfähigkeit, höhere Krankheitsanfälligkeit. Dauerhafter Lärm kann auch ernsthafte körperliche Dauerschäden hervorrufen: Wird ein Mensch regelmäßig über Stunden einem Geräuschpegel von mehr als 85 Dezibel ausgesetzt, drohen Herz- und Kreislaufprobleme. Die Kosten, die bundesweit durch Lärm verursacht werden, wurden bereits 1989 auf jährlich umgerechnet 50 Milliarden Euro geschätzt.
Die Taubheit kommt schleichend
Eine Dauerschädigung des Innenohrs beginnt mit dem Ohrsausen (Tinnitus) und/oder einer vorübergehenden Hörverschlechterung. Oft verläuft der Weg in die Taubheit aber schleichend. Zuerst fallen die hohen Töne oberhalb der Sprachfrequenzen wie zum Beispiel das Vogelgezwitscher aus. Dann wirkt sich die Taubheit bei den Sprachfrequenzen aus. Zunächst verschwinden die stimmlosen, dann die stimmhaften Konsonanten, schließlich die Vokale. Bei dauerhaft kräftiger Geräuscheinwirkung kann die Lärmschwerhörigkeit auch schnell zunehmen. Im fortgeschrittenen Stadium verstehen wir nichts mehr und können nicht mehr mitreden. Das macht einsam.
Außer dem Gehör leidet das vegetative Nervensystem: Lärm schlägt uns auf den Magen und macht nervös. Auch der Schlaf und das Herzkreislaufsystem leiden unter Lärm. Menschen, die an sehr lauten Straßen wohnen, haben ein erhöhtes Herzinfarktrisiko. Das Problem für unseren Körper besteht darin, dass er auf Lärm mit Stress reagiert. Er bereitet sich auf eine physische Auseinandersetzung vor, die dann gar nicht stattfindet. Das ist so ähnlich, als würden wir einen Motor ständig hochtourig im Leerlauf betreiben.
Was aber können Sie gegen diese gesundheitsgefährdende Lärmbelästigung tun?
Selbst-Test für Ihre Ohren
Das Forum „Das gesunde Ohr“ empfiehlt deshalb den Selbsttest, um die Regenerationsfähigkeit des eigenen Ohrs zu prüfen: Besorgen Sie sich Ohrstöpsel in der Apotheke und tragen Sie diese eine Stunde lang, z. B. beim Einkaufen oder beim Spazierengehen. Wenn Sie die Stöpsel herausnehmen, und deutlich empfinden, dass es in Ihrer Umgebung lauter ist als vorher, hat Ihr Ohr sich durch den vorübergehenden Lärmschutz etwas erholt. Je häufiger und je länger Sie Ihr Gehör gegen unnötigen Lärm schützen, desto besser kann sich Ihr Ohr regenerieren.
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