Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Das ist leider grosser Blödsinn und eigentlich grober Unfug, wenn es um unser Miteinander und unsere Gesundheit geht. Sich ständig nur anschweigen macht krank - vor allem unsere Kinder sind gefährdet. Migräne, Bluthochdruck, Depressionen, Herzinfarkt-Risiko sind die Folgen. Warum das so ist, was Sie dagegen tun können.
Viele Paare erleben das jedes Jahr aufs Neue, wenn die schöne Jahreszeit beginnt: Sie denken, sie führen eine gute Ehe oder Lebensgemeinschaft, ein vorbildliches Familienleben. Dann aber im Urlaub kommt die Wahrheit an den Tag. Man sitzt beisammen, langweilt sich und hat sich nichts zu sagen. Die gemeinsamen Ferien werden für alle Beteiligten zur Qual. Mehr noch: Es gibt Streit und unerfreuliche Diskussionen.
Mancher fragt sich: Wieso funktioniert das Zusammenleben zuhause im Alltag, aber nicht im Urlaub? Wenn man der Sache auf den Grund geht, dann deckt man einen Selbstbetrug auf. Im alltäglichen Leben gehen alle Familienmitglieder morgens einen anderen Weg und sind fast den ganzen Tag nicht beisammen: Die einen haben am Arbeitsplatz, die anderen in der Schule und an der Uni oder zuhause zu tun. Und abends sitzt man vor dem Fernsehgerät oder liest in der Zeitung.
In manchen Haushalten sieht es besonders dramatisch aus: Jeder kommt zu einer anderen Zeit nach Hause, greift in den Tiefkühlschrank, angelt sich ein nicht sehr gesundes Fertiggericht, schiebt es in den Mikrowellen-Herd, setzt sich sich dann damit vor den Fernsehapparat und läßt sich beim Essen vom Programm berieseln und ist für niemanden ansprechbar.
In vielen Ehen und Familien hat man verlernt, miteinander zu reden. Man lebt nebeneinander her. Man löst daher auch miteinander keine Probleme mehr. Im Grunde genommen leben lauter Einzelgänger nebeneinander. In vielen Wohnungen gibt es keine Kommunikation mehr. Und im Urlaub kommt das dann zutage.
Die Folgen dieses verhängnisvollen Schweigens aber sind schlimmer als mancher denkt. Ein Team von Psychologen an der amerikanischen Harvard Universität in Boston hat nachgewiesen: Schweigen macht krank. Der Mensch braucht für seine seelische, geistige und körperliche Gesundheit das Gespräch, den Gedankenaustausch mit anderen.
Wenn Ehepaare oder ganze Familien über einen längeren Zeitraum nichts oder nur das Notwendigste miteinander reden, dann kann das eine Reihe von schwerwiegenden Krankheiten auslösen: Kopfschmerzen, Migräne, Bluthochdruck, Magenbeschwerden, Depressionen , Kreislaufbeschwerden, Rücken-schmerzen, Wirbelsäulen-Verspannungen. Ja, sogar das Risiko für einen Herzinfarkt steigt.
Bei Kindern kann das besonders böse Folgen haben: Es kann zu Sprachstörungen, zu mangelnder Konzentration, zu Aggressionen, Ängsten, zu einer verstärkten Anfälligkeit gegenüber Infektions-Krankheiten führen. Nicht ausgesprochene Worte können enormen Schaden bei der Erziehung anrichten.
Eine statistische Umfrage ,die vor ein paar Jahren im Auftrag der Psychiatrischen Universitäts-Klinik in Basel in der Schweiz durchgeführt wurde, hat erschütternde Einzelheiten ergeben:
Meinungsverschiedenheiten sind oft der Anlaß, daß der Partner zur „Strafe“ tagelang mit dem anderen nichts redet.
Vor allem Frauen und sehr sensible Männer berichteten: Der Mangel an Kommunkation macht vorhandene Probleme noch größer. Es werden Gefühlsschmerzen ausgelöst. Und diese Kränkungen gehen mit der Zeit sehr oft in körperliche Krankheiten über.
Es ist interessant, was die amerikanischen Untersuchungen ergeben haben. Sie weisen nämlich nach, wie gesundheitsfördernd das regelmäßige Gespräch im Leben eines Menschen ist:
Ganz besonders wichtig ist die Ansprache für die seelische und körperliche Gesundheit unserer Kinder. Eltern und Großeltern müssen sich die Zeit für Gespräche nehmen.
Für alle Mitglieder einer Familie ist es daher wichtig, daß es bestimmte Fixpunkte am Tag gibt, wo sich alle treffen und zum Gespräch zusammensetzen. Das sollte ohne Hektik und Lärm geschehen. Ideal dazu eignen sich das gemeinsame, gemütliche Frühstück am Morgen oder das Abendessen - ohne laufendes Fernsehgerät. Dieser tägliche Gedankenaustausch ist sehr, sehr wichtig. Dabei können viele Konflikte im Keim erstickt, viele Probleme bereits ihn der Anlauf-Phase gelöst und viele gesundheitliche Störungen verhindert werden.
Und damit bietet vielleicht der nächste Urlaub eine enorme Chance, daß alle plötzlich wieder lernen, miteinander zu reden. Und daß sie es dann auch tun, wenn sie wieder zuhause sind.
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