Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht: Warum empfinden wir beim Anblick von Blumen, Obst und Gemüse, von schönen Wohnungen oder einer Landschaft ein Gefühl des Wohlbefindens, des Genusses und der Freude? Speziell in dieser Jahreszeit ist das sehr ausgeprägt. Da wirken Gerüche auf uns ein und - Farben. Und vor allem die Farben sind viel mehr als nur ein optischer Eindruck. Sie sind Harmonie für Körper und Seele.
Farben beeiflussen unsere Stimmung und unsere Gedanken. Es ist wissenschaftlich längst erwiesen: Sie können mithelfen, das Immunsystem zu stärken, Schmerzen zu lindern, Selbstheilungs-Reaktionen zu unterstützen. Sie können aber auch Wundheilungen beschleunigen , Rheuma-Schmerzen lindern und das allgemeine Wohlbefinden erhöhen.
Schon Johann Wolfgang von Goethe hat sich mit diesem Thema befaßt. In seiner Farben-Lehre betont er: Jeder Mensch sollte sich einmal täglich ein farbiges Glas vor Augen halten, sollte im Interesse der allgemeinen Gesundheit hindurchschauen und sich dabei völlig unbeeinflußt den Stimmungen hingeben, die dabei entstehen.
Der Münchner Augenspezialist Prof.Dr.Fritz Hollwich hat vor rund 40 Jahren dazu eine interessante Entdeckung im menschlichen Organismus gemacht: Nicht der gesamte Sehnerv des Auges führt in das Seh-Zentrum des Gehirns, wie man zuvor angenommen hatte. Ein Strang des Nervs zweigt ab und ist direkt mit dem Mittelhirn verbunden. Im Seh-Zentrum werden die Farben als optisches Erlebnis aufgenommen. Im Mittelhirn aber werden die Farbeindrücke in Gefühle umgewandelt. Sie werden aber auch in Impulse umgesetzt,die viele Funktionen im Organismus beeinflussen können.
Es gibt genaue Beobachtungen, wie die einzelnen Farben auf den Menschen wirken:
Interessante Beobachungen hat der Ernährungswissenschaftler Prof. Dr. Ernest Garholm in Los Angeles, USA, vor vielen Jahren gemacht. Wenn man Obst und Gemüse ißt, dann fördern nicht nur die darin enthaltenen Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Enzyme und Ballaststoffe das Wohlbefinden des Menschen, sondern auch die Farben. Auf der einen Seite tun dies die Pflanzenfarbstoffe - auch Bioflavonoide genannt - auf dem biochemischen Weg. Auf der anderen Seite geschieht dies durch Farb-Impulse, die über das Gehirn geleitet werden.
Die Erkenntnis, daß Farben positiven Einfluß auf den Menschen nehmen, hat sich in den letzten Jahren auch auf den Bereich der Medizin ausgewirkt. Beobachtungen haben ergeben: Das viele Weiß in Krankenhäusern schafft bei Patienten einen unterbewußten Streß. Sie blicken in einem weiß getünchten Krankenzimmer ins Leere. Und das nimmt ihnen Mut, bremst den Willen zum Gesundwerden. Weiß übt aber auch auf Ärzte und Schwestern einen
negativen Einfluß aus. Das weiß man schon lange.
Vor vielen Jahren waren der Operationssaal und die Tücher am Operations-Tisch generell weiß. Da stellte sich heraus: Die Farbe Weiß - unter dem Einfluß der starken OP-Lampen - wirken auf das gesamte Mediziner-Team bei der Arbeit ermüdend. Daher wurde das Weiß durch die heute längst vertrauten blaugrünen Tücher und Kittel ersetzt.
Diese haben zwei entscheidende Vorteile:
Aber auch Warteräume in Krankenhäusern und Ordinationen werden heute vielfach mit angenehmen, sympathischen Pastelltönen ausgestattet, damit sie auf die Patienten beruhigend wirken. Auch da dominieren sehr oft Blau und Grün. In amerikanischen und vor allem auch in französischen Kliniken, Rehabilitationszentren und Altenheimen macht man sich die Macht der Faben schon lange zunutze. Die Räume werden mit farbigen Tapeten versehen. Die Folge: Die Patienten fühlen sich vitaler und werden sichtlich mit ihrem körperlichen Gebrechen besser fertig.
Aber auch im ganz normalen, privaten Wohnbereich spielen Farben für Körper und Seele eine entscheidende Rolle. Enge, kleine Räume können durch helle Farben optisch größer wirken. Allzu hohe Decken werden durch dunkle Farben „heruntergeholt“. Ein langer, enger Korridor wird als kürzer wahrgenommen, wenn die Wand am Ende dunkel gefärbt ist. Der Fußboden sollte niemals zu hell sein. Er macht die Menschen sonst unsicher, gibt ihnen keinen Halt. Ältere Menschen stürzen auf einem hellen Boden viel eher.
Wohn- und Bau-Psychologen, die international tätig sind, haben längst bewiesen: Die meisten Menschen fühlen sich in einem Wohnzimmer mit Braun- und Beige-Tönen am wohlsten. Sie regenerieren sich am besten in einem blauen Schlafzimmer.
Es macht durchaus Sinn, das Umfeld für das alltägliche Leben nach all diesen Erkenntnissen mit den passenden Farben auszustatten.
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