Wenn es um die Gesundheit geht, dann hat uns der Klimawandel bereits voll im Griff. Da hilft kein Drumrumreden, da helfen keine Sprüche wie: "So ein Klimawandel dauert doch Jahrhunderte, wenn nicht gar Jahrtausende." Und es geht da gar nicht um ferne Regionen wie die Arktis oder die Sahelzone - wir sind betroffen! Jetzt, und immer stärker. Mitten im Herzen Europas bedroht der Klimawandel unsere Gesundheit. Vor allem die Allergiker sind gefährdet. Wie sich der Klimawandel auf Allergiker auswirkt, wie sich sich schützen können.
Allergie nicht mit Infektion verwechseln
Noch vor einigen Jahren war es ganz einfach: Da gab es die Grippewelle im Spätherbst, den Frühjahrsschnupfen, die Sommererkältung - das wars. Heute haben Schnupfen, Erkältung, Infektionen durch Immunschwäche fast das ganze Jahr Hochsaison. Für Allergiker gibt es schon fast gar keine Pause mehr. "Der Pollenflug-Kalender muß neu geschrieben werden," fordern Medizinexperten. Das haben wir schon gemacht, Allergiegefahr durch Pollenflug - Der Pollenflugkalender 2009.
In den Praxen der Ärzte drängen sich die Patienten mit hartnäckigen Erkältungskrankheiten und wundern sich, warum sie selbst bei klarem und kaltem Wetter Schnupfen und Husten haben. Dr. Petra von der Lage, Medizinerin beim Ärzteverbund Deutscher Allergologen in Hamburg warnt: " Sie nehmen an, das kommt von einem Infekt und behandeln die Allergie entweder falsch oder gar nicht." Das kann unter Umständen zu chronischen Beschwerden führen.
In Deutschland leben rund 16 Millionen Menschen, die unter Heuschnupfen leiden. Zwischen 20 und 44 leidet fast jeder Vierte unter durch eine Allergie ausgelöstem Schnupfen. Bei 85 Prozent aller Atemwegserkrankungen sind Pollen die Auslöser. Und die vermehren sich durch den Klimawandel rasant.
Die neue Allergie-Bombe
Es geht da um alle Erkrankungen der Atemwege: Vom Heuschnupfen, über die Bronchitis bis hin zum Asthma. Ständig hören wir vom CO 2-Anstieg in der Luft durch Klimawandel und Umweltverschmutzung. Aber was hat das zu bedeuten? Die Biologin Christine Rogers von der Harvard Medical School hat im Rahmen einer Studie für die UN ermittelt: Der beständig steigende CO 2-Anteil in der Luft regt das Pflanzenwachstum an - und damit die Pollenproduktion. Die ansteigende Erderwärmung führt dazu, dass hochallergene Pflanzen, die es bisher bei uns nicht gab, sich auch bei uns ausbreiten.
Ganz schlimm ist es mit der Ambrosia-Pflanze, eine wahre Allergie-Bombe. Die sorgt mit Ihren Pollen bei Allergikern für so ziemlich alles, was Probleme macht: Tränende Augen, Kopfschmerzen, laufende Nasen, angeschwollene Schleimhäute bis hin zum Asthma. Diese Pflanze war bei uns bisher unbekannt, sie stammt aus Nordamerika. Zusammen mit der Erderwärmung und dem zunehmenden CO 2 - Anteil hat sie sich bei uns angesiedelt, wächst jetzt schon bis weit nach Mittel- und Norddeutschland hinein. Sie finden sie an Wegrändern, in Industriebrachen und Neubausiedlungen. Eine Pflanze produziert rund 60 000 Samenkörner, die fast 40 Jahre lang keimfähig sind. Hochrechnungen haben ergeben, daß eine Verdoppelung des CO2-Anteil in der Luft die Biomasse dieser Pflanze um 61% vergrößern würde, parallel dazu steigt die gefährliche Pollenproduktion.
Die Pollen dieser gefährlichen Allergiepflanze sind winzig klein und können tief in die Bronchien eindringen. Und auf diese Pollen reagieren sogar Menschen, die bis dahin nie etwas mit Allergien zu tun hatten. Abgesehen von dieser hochaggressiven Allergiepflanze hat sich die Zeit des Pollenfluges bei uns um zwei Monate verlängert, die Gefahr für alle Allergiker damit um fast 20% vergrößert.
Halten Sie Zur Hauptpollenflugzeit Fenster und Türen geschlossen. Das ist natürlich im Sommer fast unmöglich. Deshalb sollten Sie wissen, wann die gefährlichste Zeit im Laufe des Tages ist. Das ist auf dem Land morgens bis 9.00 Uhr, in den Städten hingegen abends zwischen 18.00 und 20.00 Uhr.
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