Antibiotika: Nützlich - oder auch schädlich?

Antibiotika haben Millionen Menschen das Leben gerettet und tun dies weiterhin. Inzwischen ist aber dieses medizinische Wundermittel ins Gerede gekommen: Es zerstört die Darmflora, es macht Erreger resistent, es wird zu oft und zu viel verordnet. so sagt man. Die Wahrheit über Antibiotika.

 

Antibiotika sind natürlichen Ursprungs

Über diese Mittel zur Bekämpfung von oft lebensgefährlichen Entzündungen und Krankheiten gibt es viele Wahrheiten - und genau so viele Märchen. Deshalb haben viele Menschen insgeheim Angst vor Antibiotika und wehren sich beim Arzt: "Alles, bloss keine Antibiotika." Das ist Unfug. Genau so aber ist es Unfug, wenn man mit Antibiotika nachlässig oder sogar fahrlässig umgeht und sie einsetzt, wenn es nicht nötig ist.

Der grösste Irrtum: Antibiotika sind keine Erfindung der pharmazeutischen Industrie. Antibiotische Stoffe werden seit undenklichen Zeiten von der Natur selbst erzeugt. Von Pflanzen, Pilzen und Bakterien. Dass Spinnweben und gewisse Moose antiseptische Wirkungen haben, das haben die Schamanen und Heiler der Urmenschen schon gewusst.

Das erste Antibiotikum Penicillin wurde entdeckt, als der Mediziner Alexander Fleming 1928 zufällig bemerkte, dass Stoffwechselprodukte eines Schimmelpilzes fähig waren, bakterielle Krankheitserreger abzutöten. Inzwischen gibt es über 160 verschieden Antibiotika, mit denen die verschiedensten Krankheiten bekämpft werden können.

Problem 1: Antibiotika zerstören die Darmflora

Das stimmt, aber auch nur teilweise. Da Antibiotika Bakterien vernichten, wird auch ein Teil der über 300 im Darm lebenden bakteriellen Keime abgetötet, was zu Durchfällen führen kann. Aber sobald die Behandlung abgeschlossen ist, baut der Körper die ursprüngliche Darmflora wieder auf. Die Behandlung einer bakteriellen Infektion wird als wichtiger eingeschätzt als die Nebenwirkung auf den Darm.

Problem 2: Antibiotika sind gefährlich

Sie sind genoss so gefährlich oder ungefährlich wie andere Medikamente. Meistens sind sie gut verträglich und haben kaum Nebenwirkungen. Einzige tatsächliche Gefahr: Es gibt Patienten, die auf Antibiotika allergisch reagieren. Dann muss sofort reagiert werden.

Problem 3: Sobald eine Heilung feststellbar ist soll man Antibiotika sofort absetzen

Das ist grundfalsch und ein gefährlicher Irrtum: Denn das kann zu schweren Rückfällen der Krankheit und außerdem zur Entwicklung von so genannten Resistenzen führen. Unter Resistenz versteht man, dass Erreger unempfindlich werden und nicht mehr auf Antibiotika ansprechen. Ursache: Wird das Medikament nicht bis zum Ende der Packung genommen, lernen die noch nicht abgetöteten Keime, mit einer abnehmenden Konzentration des Antibiotikums zu leben. Schon folgende Bakteriengenerationen sind dann möglicherweise gegen das Mittel immun.

Problem 4: Nicht verbrauchte Antibiotika aufheben

Auch das ist gefährlich. Abgesehen von Fällen, in denen ein Antibiotikum nicht vertragen wird, sollte es, wie gesagt, überhaupt keine Reste dieser Medikamente geben. Solche Überreste sollten über die Apotheke entsorgt werden. Außerdem verbietet es sich, auf eigene Faust solche Medikamente einzusetzen. Das Mittel, das einmal so gut geholfen hat, kann bei der nächsten Infektion mit einem anderen Erreger wirkungslos sein.

Problem 5: Antibiotika schädigen das Immunsystem

Stimmt ganz und gar nicht. Antibiotika, die das Wachstum von bakteriellen Erregern bekämpfen, helfen dem Immunsystem, die Infektion zu bekämpfen. Ist das Abwehrsystem geschwächt, etwa bei älteren Menschen oder durch eine vorausgegangene Infektion, dann kann es ohne Einsatz von Antibiotika passieren, dass die körpereigene Abwehr versagt.

Problem 6: Antibiotika werden zu schnell, zu früh und oft ohne Not verordnet

Der ständig steigende weltweite Gesamtverbrauch von Antibiotika wird von Experten durchaus kritisch gesehen. Denn bei einer leichtfertigen Anwendung verlieren Antibiotika ihre Wirkung. Fragen Sie im Zweifelsfall Ihren Arzt, ob das Antibiotikum wirklich zwingend erforderlich ist. Wenn ja, sollten Sie die Arzneimittel sowohl hinsichtlich Dosierung und Dauer nach Weisung des Arztes einnehmen.

Generell gilt: Da inzwischen viele Antibiotika gezielt auf bestimmte Erreger hin entwickelt wurden., sollten Sie in jedem Fall nur auf Anweisung des Arztes zu einer Behandlung mit Antibiotika greifen. Obendrein erfordert die Art der Infektion und der Erreger unterschiedliche Behandlungszeiträume zwischen einem und 14 Tagen. Nur der Arzt kann also entscheiden, welches Antibiotikum Sie für welchen Zeitraum einnehmen müssen, um wieder gesund und munter zu werden.